Das INTERNETANTIQUARIAT.com im Steeler Antiquariat


Aktuelle Presseartikel zu Buchhandel + Literatur
- November 1999 -

(Eine Auswahl des INTERNETANTIQUARIAT.com)


Erich Fried Preis 1999 an Elfriede Gerstl

B�cher-Aff�re: Zeuge best�tigt Klimmts Aussage

Der H�chstpreishandel mit Antiquariatsgesch�ft bl�ht - Eine �bersicht �ber den Markt kostbarer alter B�cher

Ein Katalog als Fundgrube zur Welt der Literatur

Hans-Magnus Enzensberger wird 70 Jahre alt

Onlineh�ndler setzt auf ungebremste Expansion auch in Europa

Braunschweig pr�sentiert M�ntzer-Buch von 1524

Die ��Andere Bibliothek im Ohr''

Gro�e Romane des Jahrhunderts

Auszeichnung f�r Habermas, Unseld und Reich-Ranicki

Literatur im Multimedia-Zeitalter


Literatur im Multimedia-Zeitalter

Anspruchsvolle Literatur ger�t nach Ansicht von Sigrid L�ffler, Mitglied des Literarischen Quartetts, im Multimedia-Zeitalter immer mehr ins Abseits. "Wir bekommen es zunehmend mit einer neuen Gattung zu tun, die auf rein literarische Qualit�tskriterien pfeift und sich lieber den Marktgesetzen der Kulturindustrie anbequemt", sagte die fr�here Feuilleton-Chefin der "Zeit" bei den M�nchner Medientagen. Um die Kosten f�r ein Buch wieder hereinzubringen, verkauften immer mehr Gro�verlage die Rechte an Film und Fernsehen. Dadurch verkauften die Verlage aber auch die "Seele der Literatur", sagte L�ffler. "Ein literarischer Text hat meist ein ganz eigent�mliches Energiefeld, das in anderen Medien nicht wirkt." Dazu z�hle auch das Internet, durch das der Autor zwar direkter auf Tagesereignisse reagieren und Texte schneller ins Netz stellen k�nne.

Traditionelle literarische Kriterien wie "Haltbarkeit der Form" und "Unver�nderbarkeit der festgelegten Textgestalt" spielten aber keine Rolle mehr. "An ihre Stelle treten Vorl�ufigkeit und Verg�nglichkeit." Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Buch AG, Frank W�ssner, entgegnete, niemand k�nne sich dem Multimedia-Trend verschlie�en. "Er f�hrt zu einer Befl�gelung des Marktes. In Amerika haben wir �ber das Internet bereits ein Milliarden-Umsatzgesch�ft." 4.11.1999

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Auszeichnung f�r Habermas, Unseld und Reich-Ranicki

Wiesbaden (dpa). Der Philosoph J�rgen Habermas, der Verleger Siegfried Unseld und der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki erhalten in diesem Jahr den Hessischen Kulturpreis. Das teilte die Wiesbadener Staatskanzlei gestern mit. Die Auszeichnung wird allj�hrlich in den Sparten Wissenschaft, Kunst und Vermittlung vergeben. Der Preis wird am 18. Dezember in Wiesbaden �berreicht und ist mit je 30 000Mark dotiert. Habermas wurde wegen seiner einflussreichen Untersuchungen zur Demokratie in Staat und Gesellschaft gew�rdigt. Unselds Ehrung wurde mit dem unerm�dlichen Einsatz des Chefs des Frankfurter Suhrkamp Verlags f�r die moderne deutsche Literatur begr�ndet. Reich-Ranicki sei als Leiter der ZDF-Sendung "Literarisches Quartett" ein unbestechlicher "Anwalt der Vernunft" und habe der "Rolle des Kunstrichters wieder Geltung und Respekt" verschafft.

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Gro�e Romane des Jahrhunderts

An der Schwelle zum n�chsten Jahrtausend wird die WAZ in lockerer Folge einen Blick auf die gro�en Romane des Jahrhunderts werfen. Wir beginnen, aus gegebenem Anlass, mit Franz Werfels "Der veruntreute Himmel".
Denn obwohl Werfels Roman einer Magd nicht zu den ganz gro�en Meisterwerken der epischen Literatur z�hlt, thematisiert er ein Thema, das in diesen Tagen wieder kontrovers diskutiert wird: die Rechtfertigungslehre, die das Schisma der christlichen Kirche einleitete. Die Abspaltung der Protestanten von Rom ist nach Meinung ma�geblicher Theologen auf beiden Seiten durch die gemeinsame Erkl�rung von Augsburg am letzten Sonntag keineswegs beigelegt, aber ein wichtiger Schritt f�r die Praxis der �kumene in den Kirchengemeinden.

Werfel (1890-1945) interessieren freilich Spitzfindigkeiten der Bibelauslegung nicht. Der zum Katholizismus �bergetretene Jude stellt die Frage nach dem Kern christlicher Botschaft und behandelt damit ein Grundthema menschlicher Existenz: Kann man sich den Anspruch auf Erl�sung durch gute Werke sichern? Der 1939 im franz�sischen Exil des Dichters entstandene Roman erz�hlt, eingebettet in ein bewegendes Requiem auf das alte Europa am Beispiel einer Wiener Gro�b�rge familie, die Geschichte der b�hmischen Magd Teta Linek, die bei eben dieser Familie in Diensten steht. Teta, eine einfache, fromme Frau, will sich die ewige Seligkeit erkaufen, indem sie das Theologie-Studium ihres Neffen Mojmir finanziert. Doch Mojmir verjubelt das Geld. Als sie sich nach der Pensionierung in der Pfarre ihres Neffen zur Ruhe setzen will, muss sie erkennen, dass ihr Lebensplan auf die Ewigkeit vereitelt wurde. Erst auf einer Pilgerreise nach Rom, im Gespr�ch mit einem jungen Kaplan, reift in Teta die Erkenntnis: Gnade l�sst sich nicht erzwingen; sie f�hlt sich mitschuldig an der Entwicklung ihres Neffen, weil sie ihn nicht genug geliebt und nur an sich gedacht habe. In der Gewissheit verzeihender Gnade bricht sie bei der Audienz des Papstes tot zusammen.
Wie in seinem Lourdes-Roman "Das Lied der Bernadette" geht es Werfel weniger um ein kanonisches Bekenntnis zur katholischen Glaubenslehre als um den Konflikt zwischen ethischem Anspruch und tats�chlichem Handeln: Der veruntreute Himmel, so der Dichter, ist der gro�e Fehlbetrag unserer Zeit. Nicht von ungef�hr hat Werfel seinem Roman, der auch eine Auseinandersetzung mit dem Tod ist, ein Wort von Jean Paul vorangestellt: "Es ist, als h�tten die Menschen gar nicht den Mut, sich recht lebhaft als unsterblich vorzustellen.

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Die ��Andere Bibliothek im Ohr''. Lauschen statt lesen ist im Kommen

Hans Magnus Enzensberger setzt auf das H�rbuch. F�r den ��Wortmenschen'' Hans Magnus Enzensberger ist nicht nur das Radio ein ��wunderbares Medium''. Der Schriftsteller will nun auch verst�rkt H�rb�cher, also CDs herausbringen. In Frankfurt stellte er jetzt die Kassette zu seinem Band mit Gedichtbearbeitungen vor. ��Wissen Sie, ich bin ein alter Radiomensch.'' F�r den Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, der in den 50-er Jahren als Redakteur beim S�ddeutschen Rundfunk arbeitete, war es deshalb nichts Ungew�hnliches, Literatur f�r den H�rfunk aufzubereiten und auch auf CD zu ver�ffentlichen. Seine so genannten H�rb�cher, die er bei einer Lesung im Foyer des Hessischen Rundfunks in Frankfurt vorstellte, sind f�r ihn schlicht m�ndliche Literatur. HR-Redakteur Heiner Boehncke nannte sie ��eine Tankstelle f�r das Ohr''.

Die H�rb�cher basieren auf Werken aus der ��Anderen Bibliothek'', herausgegeben von Enzensberger alias Andreas Thalmayr. Als der renommierte Schriftsteller vor 15 Jahren diese Serie startete, wollte er wissen, ob sich die von ihm ausgew�hlten Werke auch gut verkaufen, wenn nicht sein Name als Markenzeichen dar�ber steht. Deshalb das Pseudonym. Wie er sagte, blieb es der Literaturwelt tats�chlich drei Monate lang verborgen, wer hinter diesem Thalmayr steckte. ��Da hatten wir aber schon 40 000 Exemplare verkauft'', freute sich Enzensberger, der am 11. November seinen 70. Geburtstag feiert.

Der Name Thalmayr steht noch heute �ber vielen Ver�ffentlichungen der ��Anderen Bibliothek'', die seit zehn Jahren im Frankfurter Eichborn-Verlag erscheint. In dem Gedichtband ��Das Wasserzeichen der Poesie'' tritt er unter dem K�rzel A.T. auch als Autor auf, der Werke von Klassikern respektlos verfremdet. Die ��Erste Elegie'' von Rainer Maria Rilke zum Beispiel wird Satz f�r Satz ins Gegenteil verkehrt. Aus ��Wer, wenn ich schriee, h�rte mich denn aus der Engel Ordnungen'' wird ��Wenn ich nicht schriee, wer h�rte mich denn aus der Engel Unordnung''. Und Friedrich R�ckerts ��Amara, bittre, was du thust ist bitter'' wird eine Parodie in Pidgin-Deutsch ��Amara, du nix gut, du nix gut machen''. Spiele mit der Sprache haben Enzensberger ja schon immer gereizt.��Das Wasserzeichen der Poesie'' ist eines der beiden Werke, die nun auch als H�rb�cher auf CD erschienen sind - in der ��Anderen Bibliothek im Ohr''. Dabei handelt es sich um eine Gedichtauswahl, die im vergangenen August an f�nf Abenden in halbst�ndigen Folgen im Kulturprogramm des Hessischen Rundfunks verlesen wurde. Sprecher war Gerd Heidenreich, Kommentator Enzensberger selber. Eine Woche danach folgten Geschichten aus der von Enzensberger herausgegebenen Reiseanthologie ��Nie wieder!'', in der Pers�nlichkeiten wie George Orwell, Alfred D�blin oder Bob Geldof ihre schrecklichsten Erlebnisse auf Reisen beschreiben.

��F�r Wortmenschen ist Radio ein wunderbares Medium'', schw�rmte Enzensberger. Und mit einem Seitenhieb auf die heutige H�rfunklandschaft nannte er es eine gro�artige Erfahrung, dass es tats�chlich noch m�glich ist, Wortbeitr�ge von mehr als drei Minuten L�nge zu senden. M�ndliche Literatur ist f�r ihn eine Kategorie mit Zukunft: In den USA erzielen viele Lyriker mit CDs inzwischen h�here Auflagen als mit B�chern. Ganz so weit wird es seiner Ansicht nach in Deutschland vielleicht nicht kommen, aber immerhin sei man mit der ��Anderen Bibliothek im Ohr'' auf viel positive Resonanz gesto�en.

Weil dem so ist, plant Enzensberger schon die n�chsten drei H�rb�cher. In dieser Form soll Robert Gernhardts Auswahl der Werke von Wilhelm Busch unter dem Titel ��Da grunzte das Schwein, die Englein sangen'' erscheinen. Vorgesehen ist ferner ein H�rbuch zu W.G. Sebalds Erz�hlungen ��Die Ausgewanderten'' und schlie�lich mit M�rchen aus aller Welt.

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Braunschweig pr�sentiert M�ntzer-Buch von 1524 f�r Expo-Publikation
Des Revolution�rs unbekannte Seite.

Mit einer Rarit�t aus dem Jahre 1524 wird sich die Bibliothek des Predigerseminars in Braunschweig in einem Buchprojekt zur Weltausstellung Expo 2000 in Hannover pr�sentieren: Thomas M�ntzers "Deutzsch Kirchenampt" und "Deutsch evangelisch Mesze". Beide B�cher enthalten Texte und Noten f�r die gro�en Feste der Kirche. Wie die Bibliothekarin des Predigerseminars, Gabriele Canstein, mitteilte, wird dieses Werk Thomas M�ntzers in einem Sammelband mit dem Titel "Pr�senz" beschrieben und erl�utert, an dem kirchliche Archivare und Bibliothekare aus ganz Deutschland derzeit arbeiten. Sie wollen darin kostbare Funde vorstellen. Der Braunschweiger Beitrag basiert auf einem Text des k�rzlich gestorbenen Pfarrers Christian Eisenberg. Darin stellt Eisenberg "Die andere Seite des Thomas M�ntzer" vor, der als Revolution�r und Bauernf�hrer hingerichtet wurde. Es sei kaum bekannt, dass M�ntzer als geweihter Priester im Zuge der Reformation eine Reform des Gottesdienstes angestrebt und selbst liturgische Schriften wie die in Braunschweig erhaltenen verfasst habe. M�ntzer habe es f�r unerl�sslich gehalten, in deutscher Sprache zu singen und zu beten und die Gemeinde einzubeziehen. (5.11.1999)

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Onlineh�ndler setzt auf ungebremste Expansion auch in Europa -
Doch an der B�rse w�chst angesichts horrender Verluste die Unruhe

Die vorhandene Infrastruktur macht Deutschland zum Paradies f�r Online-Verk�ufer. Jeff Bezos glaubt, dass sein Cyber-Shop Amazon.com hier noch mehr Erfolg als in den USA haben kann. Doch der Weg ist noch lang und angesichts steigender Verluste melden sich

In Bad Hersfeld liegt die Zukunft. Jedenfalls f�r amazon.de, den deutschen Ableger des amerikanischen Pioniers im Online-Handel amazon.com, Seattle. In Bad Hersfeld wurde gerade mit Millionenaufwand ein hochmodernes, 50 000 qm grosses Logistik- und Distributionscenter aus dem Boden gestampft. "Ich glaube, Deutschland wird f�r amazon ein noch gr�sserer Erfolg werden als USA", malt amazon.com-Gr�nder Jeffrey Bezos in einem Gespr�ch mit dem Handelsblatt ein optimistisches Bild der Zukunft. Der 35-j�hrige Milliard�r ist heute eine der schillerndsten Figuren in der neuen Cyber-Economy. Eine alte Kaufmannsvilla in der traditionsreichen Handelsmetropole Hamburg diente Bezos als Quartier bei seinem Deutschland-Besuch anl�sslich des Starts neuer Angebote auf der deutschen Internet-Seite. Amazon ist l�ngst kein "Buchladen" mehr. Bezos will alles an jeden verkaufen. "Unsere Kernkompetenz ist nicht 'Buchhandel', sondern E-Commerce". Neben B�chern, Auktionen und Musik-CD gibt es jetzt auch einen "z-Shop", eine An- und Verkaufsplattform, auf der jedermann Produkte anbieten kann. Warum ist Deutschland so attraktiv? Wegen der fantastischen Infrastruktur, freut sich Bezos. Alleine das Post-System ist besser und billiger.

W�hrend in den USA Standardlieferungen drei Tage brauchen, sind hier 90 % der Sendungen am n�chsten Tag beim Kunden. Das ist Service! Au�erdem ist die Bev�lkerungsdichte h�her, es gibt mehr Kunden auf engerem Raum, die sich auch noch starren Ladenschlusszeiten und am Sonntag verwaisten Gesch�ften gegen�bersehen - was kann es besseres geben.

Immerhin 13 Mill. Kunden hat Amazon nach eigenem Bekunden weltweit gewonnen und f�r Bezos ist das der Beweis f�r seine Kernphilosophie: "Wir wollen das am meisten kundenorientierte Unternehmen der Erde werden", versichert er, "zu jeder Zeit, in jeder Branche und �berall auf der Welt". Gut 72 % der Orders pro Quartal k�men von Kunden, die schon einmal da gewesen sind. Das zeige, dass das System erfolgreich sei. Nach Angaben vom Jahresbeginn haben amazon Deutschland und Gro�britannien zusammen bereits eine "run rate", also ein Potential auf das Jahr gerechnet, von rund 100 Mill. $. Und Bezos sieht keinen - auch keinen finanziellen - Grund, von seinen Zielen abzur�cken.

Weihnachtsgesch�ft von entscheidender Bedeutung

An der B�rse aber mehren sich die skeptischen Stimmen. Zwar konnte in den ersten neun Monaten des Gesch�ftsjahres der Umsatz auf 964 Mill. $ hochgeschraubt werden, doch gleichzeitig explodierte der Verlust auf akkumuliert 397 Mill. $. Die amazon-Aktie schloss am Freitag knapp �ber 64 $. Viel Geld f�r einen Wert, der noch nie Gewinn gemacht hat. Vor Bekanntgabe der Zahlen f�r das 3. Quartal und der ank�ndigung steigender Verluste lag der Kurs sogar um 80 $. Im 3. Quartal hatte sich der Umsatz gegen�ber dem Vorjahresquartal verdoppelt, der Verlust (mit einmaligen Kosten etwa f�r �bernahmen) aber vervierfacht. Das kommende Weihnachtsquartal wird von entscheidender Bedeutung sein und zeigen, ob die B�rse die langfristigen Visionen des fr�heren Investmentbankers Bezos weiter teilen will. Um mehr Kunden zu gewinnen und dem erwarteten Kundenansturm gewachsen zu sein, will er alles aufbieten, was aufzubieten ist. Lagerbest�nde werden massiv aufgestockt, die Marketingausgaben gegen�ber dem 3. Quartal verdreifacht, Rabatte gew�hrt, zus�tzliche Arbeitskr�fte eingestellt und an die US-Post Sondergeb�hren f�r schnelle Auslieferung gezahlt. Der erwartete Effekt: Ein massiver, aber nicht n�her bezifferter Umsatzsprung und h�here Verluste. Egal: Hauptsache der Kunde ist zufrieden und kommt wieder.

Verdienen will Bezos auch - sp�ter. Solches Denken ist die US-B�rse nicht gewohnt, die Unternehmen quartalsweise anhand der vorgelegten Zahlen belohnt oder abstraft. Bei amazon und anderen Internetwerten wurde bislang ein Auge zugedr�ckt - solange die Kurse stiegen. Jetzt wird nachgerechnet. Die Optimisten verweisen gerne auf das Beispiel AOL Inc. Der Onlinedienst hat auch in den Anfangsjahren eine Bugwelle von Verlusten vor sich hergeschoben, bevor jetzt die Gewinne regelrecht explodiert sind. Andere sind skeptischer: "Ich glaube, die Frustration �ber die inkonsistenten Angaben zu den einzelnen Quartalen w�chst unter den Analysten," f�rchtet Derek Brown von Volpe Brown Whelan. Der einflussreiche Merrill-Lynch-Analyst Henry Blodget setzte die Verlustprognosen f�r 1999 von 1 $ auf 1,14 $ hoch und die mittelfristige Empfehlung auf "ansammeln" herunter, nur langfristig bleibt er bei "kaufen". Bezos will sich davon nicht beeindrucken lassen. "In jedem Quartal haben wir unter den Analysten positive und negative Reaktionen", wischt er Bedenken weg. Er hat ein Ziel und das will er erreichen. Punkt.

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Hans-Magnus Enzensberger wird 70 Jahre alt. Ein Luftgeist der Literatur

"Vermutlich ist er kein Festk�rper, sondern ein Luftwesen", meint Autorenkollege Peter R�hmkorf. Und tats�chlich, Hans Magnus Enzensberger sind die Wiederholungszw�nge des Literaturbetriebs derart zuwider, dass er heute hier, morgen dort auftaucht. F�r seine Leser bedeutet das immer neues Vergn�gen, f�r Germanisten eine Plage, denn an diesem quecksilbrigen Geist will kein Etikett haften. Der am 11.11. vor 70 Jahren in Kaufbeuren geborene Tausendsassa l�sst kaum ein Genre aus. Er dichtet Barockdramen neu ("Tochter der L�fte"), schreibt Opernlibretti und H�rspiele, setzt der verflachenden Lesekultur "Die andere Bibliothek" entgegen und verteidigt die Lyrik nun schon seit Jahrzehnten gegen den Generalverdacht gef�hlsbibbernder Innerlichkeit. Jeder andere w�rde bei diesen R�sselspr�ngen unweigerlich irgendwo zum Dilettanten, doch Enzensberger kann anscheinend alles - das Luftwesen als �berflieger.

Diese universelle Brillanz hat ihren Preis. Einerseits l�sst sich Enzensberger seine Klugheit �ppig bezahlen: "Ein Buchstabe Enzensberger wird auf dem Essay-Markt zur Zeit mit etwa anderthalb Mark notiert", registrierte der "Spiegel" vor Jahresfrist. Andererseits besetzt Enzensberger seine gedanklichen Bastionen immer nur vor�bergehend, und so haben viele dem weitgereisten und polyglotten Dr. phil. allzu h�ufigen Sinneswandel vorgeworfen.

So hatte er - nach Wanderjahren durch Norwegen und die USA - 1965 jenes "Kursbuch" gegr�ndet, dass der linken Intelligenz als geistiger Fahrplan diente. Heute hingegen bohrt er den Giftstachel gern ins Sitzfleisch sozialistischer Selbstgerechtigkeit. Dass er die Revolution auf Kuba einst bejubelte - Schnee von gestern; dass er im fr�her geschm�hten Bildungsb�rger inzwischen fast einen Gralsh�ter aussterbender Tugenden sieht - geschenkt. Mancher glaubt denn auch, dass sich Enzensbergers elegante Eloquenz, dieser "mozartsche" Stil (Wolfgang Hildesheimer) vor allem einem h�chst undeutschen Charakterzug verdanke: Diesem Mann fehlt das Talent zu Pathos und Selbstzerknirschung. Lebensl�ngliche Konsequenz traut er nur B�umen zu. "Schon von einer Katze kann man das nicht verlangen. Die bewegt sich n�mlich. Ich halte das f�r ein Lebenszeichen."

Lebendiger als Enzensberger ist demnach kaum jemand, zumal dem Wahlm�nchner eher der intellektuelle Sprint als der Marathon des Romans liegt. Sein Faible f�r Knappheit verrieten schon die ersten Gedichtb�nde: "verteidigung der w�lfe", "landessprache" und "blindenschrift": virtuose, politisch subversive, aber nie plump didaktische Verse, die das Gedicht wieder gesellschafts-f�hig machten und dem Autor schon mit 34 den B�chner-Preis bescherten. Etliche Auszeichnungen, darunter der K�lner Literaturpreis (1985) kamen hinzu. Dass Alfred Andersch diesen genialen Querkopf einst als "zornigen jungen Mann" bejubelte, mag heute seltsam erscheinen, denn nicht Wut treibt Enzensberger, sondern Sehnsucht nach Klarheit und eine hierzulande fast frivole Lust an der Pointe. So rettet er sich aus deutschen Gesinnungst�lern schon mal auf den Hochsitz der Arroganz, von wo aus er in Ruhe seine Ziele anvisiert. Trotz aller lyrischen Verdienste und dramatischen Achtungserfolge: Die Paradedisziplin dieses sprachlichen Mehrk�mpfers bleibt der angriffslustig funkelnde Essay. So nahm Enzensberger den vorgestanzten "Spiegel"-Sarkasmus ebenso aufs Korn wie die Nachrichtengebung der FAZ, entlarvte das Fernsehen als "Nullmedium", schrieb �ber Weltbank, "Aussichten auf den B�rgerkrieg", Mode und die fatale deutsche Duldsamkeit.

Nat�rlich war es der ehemalige Rundfunkredakteur und Suhrkamp-Lektor Enzensberger, der seinerzeit die intelligenteste Kritik auf G�nter Grass� Prosa-Brocken verfasste ("Wilhelm Meister, auf Blech getrommelt") - obwohl Grass geradezu den �sthetischen Gegenpol besetzth�lt. Anders als der Danziger hat sich der Allg�uer nicht mit einem Hauptwerk insBewusstsein gewuchtet und nie die Nachkriegsdebatten dominiert. Dabei scherte Enzensberger durchaus mutig aus der nationalen Lichterkette aus, als er in seinem Essay "Die gro�e Wanderung" den Betroffenheitskitsch in der Ausl�nderdebatte kritisierte. "Widerspruchsfreie Weltbilder" waren dem Zweifler stets verhasst, Ironie steht ihm n�her als das Sentiment. Bezeichnend eine Strophe aus dem letzten Gedichtband "Leichter als Luft": "Vieles bleibt ohnehin / in der Schwebe. / Am leichtesten wiegt vielleicht, / was von uns �brigbleibt, / wenn wir unter der Erde sind."

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Ein Katalog als Fundgrube zur Welt der Literatur

Das weiss der Leser nicht: Heinrich Heine hatte Goethe seine ersten drei B�cher geschickt. Dem Erstling des �cand. Juris� lag ein Brief vom 29. Dezember 1821 bei: �Ich h�tte hundert Gr�nde Ew. Exzellenz meine Gedichte zu schicken. Ich will ihnen nur einen erw�hnen: Ich liebe Sie.� Gen�tzt hats nichts. Goethe hat dem Verehrer nie geantwortet.

Und dar�ber staunt der Leser: Heinrich Manns Preussen-Satire �Der Untertan� (1916) konnte w�hrend des Ersten Weltkrieges aus politischen Gr�nden nicht ver�ffentlicht werden. Dennoch daran erfreut haben sich nur die zehn Empf�nger eines Privatdruckes - unter ihnen auch ein preussischer Oberstleutnant im Generalstab.

Zwei Reminiszenzen aus der B�cherwelt. Hunderte davon stehen im Katalogbuch �Aus der Hand oder Was mit den B�chern geschieht�, das das deutsche Literaturarchiv in Marbach als Begleitband zu einer gleichnamigen Ausstellung herausgegeben hat. In diesem faktenreichen Werk wimmelt es nur so von Informationen: �ber Pseudonyme, Raubdrucke, F�lschungen, Schm�hschriften und beleidigte Dichter. Aber der Leser erf�hrt auch: Wie intensiv Schiller Kants �Critik der Urtheilskraft� gelesen haben muss und dabei ungeniert eigene Bemerkungen ins Bibliotheks-Exemplar gekritzelt hat; wie Jean Am�ry in Flauberts �Madame Bovary� neben �flackernden Kuli-Spuren eines nerv�sen Arbeitsprozesses� auch Spuren einer Zigarette hinterlassen hat; mit welcher Widmung Alfred D�blin 1907 einem Dozenten einen eigenen Erz�hlband zur Lekt�re empfahl: �Herrn Professor Lasson �berreicht mit der Bitte um stilles Beileid.� Darum m�ssen die Herausgeber dieser Schrift nicht bitten. Nach der Lekt�re wird man ihnen ohnehin nur noch gratulieren: f�r Fleiss und F�ndigkeit.

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Der H�chstpreishandel mit Antiquariatsgesch�ft bl�ht - Eine �bersicht �ber den Markt kostbarer alter B�cher

Von Karl Pralow

B�cher gelten als preiswert, antiquarische erst recht. Entsprechend gro� ist die Schar der Sammler. Sie unterscheidet sich nach Kenntnissen, aufzuwendender Zeit und finanziellem Verm�gen. Im Folgenden sollen die H�chstpreise der letzten Jahrzehnte auf dem deutschen und internationalen Buchmarkt betrachtet werden.

Im Jahre 1960 verkaufte das Versteigerungshaus Ernst Hauswedell in Hamburg eine der gr��ten Seltenheiten des Antiquariatsbuchmarktes: "Mr. William Shakespeares Comedies, Histories & Tragedies. First Folio/London 1623" f�r 310 000 Mark. Ein solches Buch hat nat�rlich seine Geschichte, sozusagen seinen Ahnenpass, der unverwechselbar ist, auch wenn F�lscher gelegentlich versuchen, daran zu kratzen. So ist die Shakespeare First Folio seit dem Kriege nur einmal im Handel aufgetaucht, n�mlich 1946 bei einer Versteigerung in New York, und brachte einen Preis von 50 000 Dollar. Das war auch f�r die siegreichen USA enorm viel.

Apropos Ahnenpass: Soeben versuchte die K�nigsteiner Firma Reiss & Sohn zur Taxe von 1,2 Millionen Mark ein illustriertes Exemplar der "Cosmographia" des Ptolem�us, erschienen in Ulm bei Holl am 16. Juli 1482, zu versteigern. Doch dazu kam es nicht. Obwohl an dem Exemplar manipuliert worden war, hatte die Jagiellonen-Bibliothek in Krakau festgestellt, dass dieses altkolorierte Folio-Werk vermutlich aus ihren Best�nden gestohlen worden war. Die beiden B�nde wanderten von Reiss & Sohn zur deutschen Staatsanwaltschaft, wo die Eigentumsfrage ermittlerisch gekl�rt werden sollte. Jedenfalls wurde das Exemplar zun�chst nicht an Polen ausgeh�ndigt. Inzwischen hat sich die Jagiellonen-Bibliothek ausdr�cklich f�r den fairen Umgang mit ihrer Kostbarkeit bei allen deutschen Beteiligten bedankt.

Das Beispiel beweist aber nicht, dass nun alle kostbaren alten B�cher aus Bibliotheken gestohlen seien. Laufend werden alte Bibliotheken aus Privatbesitz aufgel�st, und so mancher sieht die stets steigende Wertanlage in antiquarischen B�chern als eine sicherere Altersvorsorge an, als die Einzahlung in einen Rentenfonds oder eine Versicherung. Das belegen weitere H�chstpreise der j�ngsten Zeit. Entsprechend haben sich einige Antiquariatsfirmen auf den Hochpreissektor spezialisiert (Antiquare selbst gibt's wie Sand am Meer). Zu ihnen geh�rt Heribert Tennscherts Biberm�hle in Rotthalm�nster. Freilich sitzt Tenschert nicht nur im bayerischen Rotthalm�nster, sondern hat auch, um seinen Kunden entgegenzukommen, eine Dependance in Ramsen in der Schweiz er�ffnet.

Die Hamburger Firma J�rn G�nther ist ebenfalls auf hochpreisige B�cher spezialisiert. G�nther hat derzeit im Angebot: Eine franz�sische Weltchronik auf Pergament in zwei B�nden, die in Paris zwischen 1370 und 1380 illuminiert wurde (Preis: zw�lf Millionen Mark); die "Historia naturalis" des antiken Schriftsteller Plinius, eine ebenfalls illuminierte Handschrift auf Pergament, die in Italien im Jahre 1446 entstanden ist, kostet bei G�nther f�nf Millionen Mark.

Ebenfalls f�nf Millionen Mark kostet bei G�nther ein Fragment der Gutenberg-Bibel aus der Rendsburger Marienkirche in Schleswig-Holstein. Diese ist etwa um 1453 bei Johannes Gutenberg und Johann Fust in Mainz gedruckt worden. Es ist klar, dass vollst�ndige Gutenberg-Bibeln so gut wie nie auf den Markt kommen, was auch den Preis des vorliegenden Fragmentes erkl�rt. Aber nicht nur mittelalterliche Drucke und Handschriften bringen H�chstpreise. Auch gro�e Serienwerke, die sich allerdings kaum ein Privatmann wegen des erforderlichen Aufbewahrungsraumes in die Wohnung stellen kann, werden von spezialisierten Firmen gehandelt. Zu ihnen geh�rt das Antiquariat Auvermann und Keip in Goldbach bei Aschaffenburg. In seinem j�ngsten Antiquariatskatalog bietet das Haus unter anderem 530 B�nde s�mtlicher Ver�ffentlichungen der K�niglich Preu�ischen und sp�teren Deutschen Akademie der Wissenschaften von 1710-1991 zu einem Preis von 200 000 Mark an.

Wir m�chten nun wichtige deutsche und internationale Versteigerungsh�user nennen, die neben Christie's und Sotheby's in London ebenfalls Hochpreisobjekte handeln: Hartung & Hartung, Zisska & Kirstner - beide in M�nchen. In Hamburg geh�ren Hauwedell & Nolte sowie Ketterer (vormals F. D�rling) dazu. Zisska verkaufte schon im Jahre 1983 den in N�rnberg bei Koberger am 8. November 1491 gedruckten "Schatzbehalter oder Schrein der wahren Reicht�mer des Heils und ewiger Seligkeit" mit den sch�nen Holzschnitten von Wolgemut und Pleydenwurff f�r 80 000 Mark. Heute w�rde das Buch sicher das Doppelte kosten, wenn es denn auf den Markt k�me.

Ein nahezu vollst�ndiges altkoloriertes Exemplar von Homanns Atlas in vier B�nden, N�rnberg 1733-1745, brachte bei Zisska im M�rz 1985 196 000 Mark. Besonders teuer sind neben Atlanten Pflanzenb�cher des 17. und 18. Jahrhunderts. So erzielte im Oktober 1988 Beslers "Hortus Eystettensis" in einem kolorierten Exemplar von 1713 bei Zisska 250 000 Mark, w�hrend Weinmanns "Phytanthoza" in vier B�nden mit 1025 Farbstichtafeln am 15. November 1999 bei Ketterer in Hamburg 210 000 Mark einbrachte. Hartung & Hartung in M�nchen versteigerte f�r 200 000 Mark im November 1988 die 5. Deutsche Bibel, N�rnberg, Sensenschmidt und Frisner, zwischen 1476 und 1478, und f�r 140 000 Mark Ortelius' "Theatrum orbis terrarum" von 1595 mit 147 doppelblattgro�en altkolorierten Kupferkarten.

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B�cher-Aff�re: Zeuge best�tigt Klimmts Aussage

Von Roland Nelles

Berlin - In der Aff�re um wertvolle Geschenke an Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) hat die CDU-Fraktion im saarl�ndischen Landtag eine "l�ckenlose Aufkl�rung gefordert". "Was Herr Klimmt bisher zu seiner Verteidigung vorgebracht hat, reicht uns nicht aus", sagte CDU-Fraktionschef Peter Hans gestern der WELT. Wenn ein Politiker teure Geschenke von einem Gesch�ftsmann annehme, sei dies vielleicht nicht strafrechtlich relevant, aber sicherlich politisch-moralisch nicht einwandfrei. Klimmt hatte am Vortag einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" dementiert, wonach seine Hobbys B�cher- und Skulpturensammeln zum Teil von dem saarl�ndischen Gesch�ftsmann Georg Rebmann finanziert worden sein sollen. Au�erdem soll Rebmann eine Geburtstagsfeier von Klimmt mit 25 000 Mark gesponsort haben. Der Hauptvorwurf gegen Klimmt wurde gestern allerdings von einem Zeugen entkr�ftet. Rebmann hatte im "Spiegel" behauptet, sein Freund Klimmt habe sich 1990 von ihm sieben alte B�cher im Wert von insgesamt 25 000 Mark bezahlen lassen. Diese habe Klimmt in einem Antiquariat im bayerischen Rotthalm�nster aufgest�bert. Vor dem Besuch in dem Gesch�ft habe Klimmt gefragt, "wie viel" er denn ausgeben d�rfe. Klimmt hatte zu diesem Vorwurf erkl�rt, die B�cher seien nicht f�r ihn pers�nlich, sondern f�r ein Museumsprojekt in Wadgassen bestimmt gewesen, f�r das er sich engagiere. �hnlich hatten sich auch Vertreter der "Stiftung zur F�derung der Buchkultur" ge�u�ert, die das Museumsprojekt betreut.

Im Gespr�ch mit der WELT best�tigte der Chef des betreffenden Antiquariats in Rotthalm�nster, Heribert Tenschert, nun die Aussage Klimmts. Der SPD-Politiker habe im August 1990 bei ihm B�cher bestellt. Dabei habe es sich aber nicht um sieben, sondern um mindestens 1500 B�cher gehandelt. Tenschert betonte, er k�nne sich noch gut daran erinnern, dass Klimmt davon gesprochen habe, dass die B�cher f�r ein Museumsprojekt vorgesehen gewesen seien. "Das war immer klar." Mit Blick auf die Bezahlung der B�cher durch die Firma Sorad von Klimmt-Freund Rebmann best�tigte Tenschert, diese sei erst mehr als ein Jahr nach der Auslieferung der B�cher erfolgt. Er habe im Sp�tsommer 1991 Klimmt einen Brief und Prospekte �ber neue B�cher geschickt und darin "vorsichtig" an die offene Rechnung erinnert. Wenige Tage sp�ter seien die offenen 25 000 Mark dann von Rebmann bezahlt worden.

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Erich Fried Preis 1999 an Elfriede Gerstl

Die Wiener Lyrikerin Elfriede Gerstl (67) hat am Sonntag, im Rahmen einer feierlichen Matinee im Wiener Akademietheater den Erich Fried Preis 1999 entgegengenommen. Die mit 200.000 Schilling dotierte Auszeichnung der Internationalen Erich Fried Gesellschaft f�r Sprache und Literatur wurde heuer zum zehnten Mal vergeben. Alleinjurorin des Preises war in diesem Jahr die Schriftstellerin Elfriede Jelinek. Walter Hinderer, Pr�sident der Erich Fried Gesellschaft, bezeichnete in seiner Er�ffnungsrede die Ehrung Gerstls als "Parallelaktion zweier Schwestern im Geiste Erich Frieds". Beide Autorinnen begriffen das Fremde als Bereicherung des Eigenen und �berwinden mit "b�sem Blick" �berlieferte und eingeb�rgerte Denkschemata. "Wie soll man �ber jemanden sprechen, der von den Nazis zum Sterben vorgesehen war?", fragte Jelinek in ihrer Laudatio. Sie spannte schlie�lich einen Bogen von der Wiener Nachkriegsb�rokratie, die Gerstl keine Wohnung zur Verf�gung stellen wollte, bis zur Gegenwart, in der die Literarische Verwertungsgesellschaft der Dichterin wegen des Preisgeldes die Zusatzpension f�r ein Jahr streichen will. An Gerstls Gedichten lobte sie die "unheimlich pr�zise Fragmenthaftigkeit: Es geht nicht k�rzer, nur l�nger, also schlechter". F�r Wolfgang Unger vom Bundeskanzleramt ist die Preisverleihung ein "l�ngst f�lliger Akt f�r eine Sprachmagierin". Gerade die heutige Zeit brauche eine Dichterin wie Gerstl mit wachem, kritischem und realit�tsnahem Blick. Ihre Dankesrede n�tzte Gerstl, um auf die Situation von Kollegen hinzuweisen, die selbst keine Gelegenheit dazu h�tten. Sie sei allerdings keineswegs frustriert und verbittert, beteuerte die sp�t Geehrte, sondern gl�cklich �ber die Zustimmung von jenen, die sie sch�tze. Elfriede Gerstl, am 16. Juni 1932 als Tochter eines j�dischen Zahnarztes in Wien geboren, �berlebte die Zeit des Nationalsozialismus mit ihrer Familie versteckt in Wien. Nach 1945 studierte sie Medizin und Psychologie, brach 1960 ihr Studium ab, heiratete und bekam eine Tochter. Erste Texte erschienen 1955 in der Zeitschrift "neue wege". Zwischen 1964 und 1972 lebte sie abwechselnd in Berlin und Wien. Als engagierte Feministin bringt sie mit skeptisch-ironischem Sprachwitz Alltagserfahrung in Bewegung. Die einzige Frau der Wiener Gruppe erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, im heurigen Sommer wurde ihr der mit 100.000 Schilling dotierte Salzburger Georg Trakl-Preis f�r Lyrik zuerkannt. In diesem Jahr erschien der Gedichtband "Alle Tage Gedichte".

Bisher wurden Christoph Hein, Bodo Hell, Robert Schindel, Paul Parin, J�rg Steiner, Elke Erb, Paul Nizon und Gert Jonke und Bert Papenfu� mit dem Erich Fried Preis ausgezeichnet. Alleinjuroren waren dabei Hans Mayer, Ernst Jandl, Walter Jens, Christa Wolf, Adolf Muschg, Friederike Mayr�cker, Gy�rgy Konrad, Ilse Aichinger und Volker Braun.

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(Letzte �nderung erfolgte am 1. Dezember 1999)