Das INTERNETANTIQUARIAT.com im Steeler Antiquariat
Aktuelle Presseartikel zu Buchhandel + Literatur
- Mai 2000 -
(Eine Auswahl des INTERNETANTIQUARIAT.com)
Friedenspreis des deutschen Buchhandels f�r die Algerierin Assia Djebar
G�nther Grass er�ffnet ersten Pen-Weltkongress in Russland
B�rsenverein will Buchpreisbindung
Bundesrat stoppt Verbraucherschutz bei Internetgesch�ften
Geschenk von unsch�tzbarem Wert
Die Kleinen sind die Gro�en. Wohin steuert der Literaturbetrieb
Liebe, Tod und Teufel - und das 20. Jahrhundert . Andrzej Szczypiorski gestorben
Online-Buchh�ndler: Millionenkosten durch neues Gesetz. Widerruf bei "Fernkauf"
Justbooks nimmt B�cher nach dem Lesen zur�ck
Wenn Salz und Pilze an B�chern nagen
Rettung f�r 60 Millionen B�cher
Das unersch�pfliche B�cherregal. ��Books on Demand''.
�Flaschenpost� von Paul Celan
Soll Bob Dylan Nobelpreis bekommen?
Zensur, F�lschung und Lesespuren ausgestellt im Literaturhaus Berlin
Alles von Shakespeare. N�rnberger Verlag plant Gesamtausgabe
Der Suhrkamp-Verlag feiert sein 50-Jahr-Jubil�um vor allem mit Altbekanntem
350 polnische Verlage auf Frankfurter Buchmesse
In Vechta findet erstmals ein Symposium �ber Rolf Dieter Brinkmann statt.
Schriftsteller Franz Hessel mit f�nfb�ndiger Werkausgabe gew�rdigt
Dank dem Internet werden mehr B�cher gelesen
Dank dem Internet werden mehr B�cher gelesen
Berlin - Rund 600 Jahre nach der Geburt des Buchdruck- Erfinders Johann Gutenberg hat das Internet nach Ansicht des B�rsenvereins des Deutschen Buchhandels als zweite medientechnische Revolution entgegen allen Bef�rchtungen eine Renaissance des Buches bewirkt.
�Das Internet hat die Akzeptanz von B�chern und Literatur nicht nur gesteigert, wir erleben sogar eine Literatur-Renaissance�, betonte B�rsenvereins-Vorsteher Roland Ulmer.
�Der Buchhandel zeigt im Internet Flagge und stellt sich der Medienzukunft�, sagte Nobert Rojan vom B�rsenverein in Berlin. Ann�hernd tausend Buchhandlungen in Deutschland h�tten inzwischen eine �Dependance� im Internet gegr�ndet. Insgesamt gibt es etwa 5500 Buchhandlungen.
Das Internet wird auch sonst in Sachen Literatur immer h�ufiger genutzt. Das �Enfant terrible� der deutschen Literatur, der Autor Rainald Goetz, stellte ein Jahr lang jeden Tag einen neuen Text ins Internet. Allt�gliche Ereignisse und Beobachtungen zur Politik und Literaturszene f�llen das virtuelle Tagebuch, das 1999 unter dem Titel �Abfall f�r alle� auch als Buch erschien.
Erkundungen im "Dschungel" der Gro�stadt.
Schriftsteller Franz Hessel mit f�nfb�ndiger Werkausgabe gew�rdigt
Der Schriftsteller Franz Hessel war wohl das, was Joseph Goebbels in denunziatorischer Absicht einen "Asphaltliteraten" genannt h�tte - heute fast so etwas wie ein Ehrentitel. Der Nazi- Propagandaminister wollte damit auf die angebliche "Wurzellosigkeit" dieser Autoren und ihre Verhaftetheit an ein gro�st�dtischen Milieu anspielen, vor allem aber mit seinem b�sartigen Wort die gesamte Moderne erledigen. Heute tauchen einige dieser von den braunen Machthabern ins Exil getriebenen deutschen Schriftsteller wieder aus langj�hriger Vergessenheit auf, und auch Hessel, von dem schon vorher einige B�nde wieder erschienen waren, hat jetzt eine im Igel Verlag erschienene Ausgabe seiner "S�mtlichen Werke in f�nf B�nden" erhalten.
Der 1880 in Stettin geborene Autor j�discher Herkunft, der nach seiner M�nchner Studienzeit zwischen Berlin und Paris pendelte und mit vielen Schriftstellern auf beiden Seiten des Rheins gut bekannt war, ist ohne die Gro�stadt in der Tat nicht zu denken. Er kann als ein Urbild jenes Flaneurs gelten, den der mit ihm befreundete Philosoph Walter Benjamin beschrieben und gepriesen hat. Von seinen Erkundungen im "Dschungel" der Gro�stadt brachte er die sch�nsten Fundst�cke in Gestalt makelloser Texte �ber die kleinen Dinge des modernen Lebens mit, ver�ffentlichte sie in schmalen B�nden, die Kenner mit Entz�cken lasen - und die auch bei heutiger Lekt�re noch gro�e Freude machen. Hessel war selbst ein gro�er Kenner der zeitgen�ssischen Literatur, der er als Lektor des Berliner Rowohlt Verlags, als Zeitschriftenherausgeber und als �bersetzer aus dem Franz�sischen huldigte. Er hat wichtige Werke von Stendhal, Balzac und Proust (zusammen mit Benjamin) �bertragen, kannte sich insbesondere in der erz�hlenden Produktion des Nachbarlandes wie kaum ein anderer aus.
Hessel wurde dabei selbst zu einer literischen Figur, als der mit ihm befreundete Autor Henri-Pierrre Roche der Dreier-Beziehung mit Hessels Frau Helen Grund in dem 1953 erschienenen Roman "Jules und Jim" ein Denkmal setzte. Durch Francois Truffauts heitere Verfilmung mit Jeanne Moreau ist die Geschichte sehr popul�r geworden.
Die Hessel-Gesamtausgabe wurde von den Germanisten Hartmut Vollmer und Bernd Witte herausgegeben, die sich schon zuvor mit Publikationen um den Autor Hessel verdient gemacht hatten. In der Edition werden neben wieder vorgelegten und inzwischen erneut vergriffenen Werken vor allem die vielen verstreut publizierten Zeitungs- und Zeitschriftenbeitr�ge des Schriftstellers erstmals vollst�ndig geboten. Darunter sind neben Erz�hlungen, die Hessel als einen Meister der kleinen Form ausweisen, auch viele Kritiken. Dazu umfasst die Ausgabe bisher nicht ver�ffentlichte Texte wie die Prosasammlung "Frauen und St�dte" aus dem Nachlass des Autors, der 1940 in franz�sische Internierungslager kam und so entkr�ftet war, dass er ein halbes Jahr nach seiner Entlassung starb. Im ersten Band der Ausgabe kann man die Romane Hessels nachlesen, die autobiografisch gepr�gt sind. So verarbeitete er in dem Buch "Der Kramladen des Gl�cks" seine eigene fr�he Lebensgeschichte mit den Erfahrungen eines Au�enseiters bis hin zum Eintauchen in die Schabinger Boheme. In dem Roman "Pariser Romanze" geht es um die fiktiven Briefe eines deutschen Rekruten an seinen franz�sischen Freund, ein Erziehungsroman ist das in der Reichshauptstadt spielende Werk "Heimliches Berlin". Der zweite Band der Edition umfasst die Prosasammlungen, durch die Hessel vor allem bekannt wurde, darunter "Von den Irrt�mern der Liebenden", "Teigwaren, leicht gef�rbt" und "Ermunterungen zum Genuss".
In Band drei sind unter dem Titel "St�dte und Portr�ts" die Sammlungen "Spazieren in Berlin" und "Frauen und St�dte" vereint, der vierte Band bietet die Lyrik, mit der Hessel, noch gepr�gt von der Neoromantik, deb�tierte, und seine weniger erfolgreichen Dramen. Der abschlie�ende f�nfte Band der Ausgabe macht die eigentliche editorische Leistung aus, n�mlich die erstmalige B�ndelung der verstreuten Prosa, der Essays und der Kritiken. Da finden sich manche St�cke �ber Eigent�mlichkeiten der j�ngst vergangenen Zeit, die auch nach Jahr und Tag noch frisch wirken, oder andere, die das l�ngst vergangene Fluidum der gro�en Metropolen noch einmal sp�ren lassen. Unter den Kritiken, die etwa B�chern von Andre Gide, John Galsworthy, Max Brod, Arthur Schnitzler oder Rene Schickele gelten, kann man ebenfalls Entdeckungen machen.
Alex Confort ist tot
Der britische Autor Alex Comfort ist tot. Der Verfasser des Bestsellers �The Joy of Sex� starb im Alter von 80 Jahren in einem Spital bei Oxford. Sein Buch �ber die psychologischen und sozialen Aspekte der Sexualit�t galt als Klassiker in der Diskussion um die sexuelle Befreiung. Es wurde in 24 Sprachen �bersetzt und erreichte eine Auflage von zw�lf Millionen. Wegen seiner revolution�ren Thesen �ber das Sexual-Verhalten wurde Comfort von britischen Kritikern lange Zeit als der Pionier eines promiskuitiven Lebensstils angegriffen.
In Vechta findet erstmals ein Symposium �ber Rolf Dieter Brinkmann statt.
Sp�te Ehre f�r einen "Dichter-Rebellen"
Vechta - 25 Jahre nach seinem Tod steht der zu Lebzeiten als "Dichter-Rebell" gefeierte Rolf Dieter Brinkmann, der nur 35 Jahre alt wurde, erstmals im Mittelpunkt eines wissenschaftlichen Symposiums. Brinkmann-Forscher aus den USA, Kanada, Rum�nien, Gro�britannien und Deutschland beteiligen sich an einem �ffentlichen Veranstaltungsmarathon. Er wird vom 15. bis 18. Mai unter dem Titel "Rolf Dieter Brinkmann: Blicke ostw�rts-westw�rts" an der Hochschule Vechta stattfinden.
Brinkmann wurde am 16. April 1940 in Vechta geboren und starb am 23. April 1975 bei einem Verkehrsunfall in London. Gemeinsame Veranstalter des Symposiums aus Anlass der beiden Gedenktage sind die Hochschule Vechta, die University of Georgia (Athens/USA) und die 1992 in Vechta gegr�ndete Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft, der 120 Mitglieder aus sieben L�ndern angeh�ren. Auf dem Programm stehen neben dem Austausch von Forschungsergebnissen auch zahlreiche literarisch-k�nstlerische Darbietungen. Als Hauptwerke Brinkmanns, zu dessen Zeitgeist-Ruhm auch Heiner M�ller mit seinem Urteil "einziges Genie in der westdeutschen Literatur" beitrug, gelten der Prosa-Band "Rom - Blicke" und die Lyrik-Sammlung "Westw�rts 1 & 2". Brinkmanns Rang in der deutschsprachigen Lyrik neu zu �berpr�fen und seinen Einfluss auf die j�ngste Literatur sichtbar zu machen, ist das erkl�rte Ziel des ersten gemeinsamen Treffen der zahlreichen Brinkmann-Forscher und -Freunde, die in Vechta erwartet werden.
350 polnische Verlage auf Frankfurter Buchmesse.
Buchmesse Frankfurt mit Gastland Polen
Auf der diesj�hrigen Frankfurter Buchmesse (18. bis 23. Oktober) werden sich im Rahmen eines umfangreichen Programms rund 350 polnische Verlage pr�sentieren. �Polen ist in diesem Jahr Gastland und hat damit die Chance, f�r seine Literatur und Kultur im Ausland zu werben�, sagte der Bevollm�chtigte des Warschauer Kulturministeriums, Marek Krawczyk, am Freitag am Rande der Leipziger Buchmesse.
�Das Interesse f�r die Frankfurter Messe in Polen ist gewaltig�, berichtete der Kurator f�r die Ausstellung in Frankfurt, Andrzej Nowakowksi. Unter dem Motto �Kultur des Buches� stellen �ber 50 Autoren zeitgen�ssische Literatur vor. Eingeladen sind unter anderem die polnischen Literaturnobelpreistr�ger Wislawa Szymborska und Czeslaw Milosz sowie die Autoren Hanna Krall, Andrzej Szczypiorski, Tadeusz Rozewicz und Henryk Grynberg. �Polen erlesen�
Foren und Gespr�chsrunden zu aktuellen literarischen, philosophischen, historischen und politischen Themen sowie Ausstellungen und Konzerte werden das Programm nach Angaben von Nowakowski erg�nzen. Bereits seit Februar stellte sich Polen mit einem Programm in Deutschland vor. Auf der Leipziger Buchmesse pr�sentieren 150 Verlage und Editionen ihre Programme. Ein Literatur- und Kulturprogramm �Polen erlesen. Literatur, Kunst, Kultur. NRW 2000� bietet von April bis November in 30 St�dten des Bundeslandes mehr als 200 Veranstaltungen. Im Literarischen Colloquium Berlin finden seit Jahresbeginn literarische Begegnungen mit polnischen Autoren statt. In Polen gibt es mehr als 12 000 Verlage, darunter 500 wichtige, sagte Nowakowski. Mit Hilfe des polnischen Literaturfonds f�rdert das Kulturministerium seit 1999 die Verbreitung der polnischen Literatur im Ausland. 1999 wurden 35 Produktionen von 26 Verlagen mit rund 190 000 Mark gef�rdert. In diesem Jahr stehen weitere 50 Titel auf dem Programm.
Der Suhrkamp-Verlag feiert sein 50-Jahr-Jubil�um vor allem mit Altbekanntem
Das Werben zeigte Wirkung. Christoph Hein, 56, Ostberliner Autor und Wende-Kritiker, hat den Aufbau-Verlag verlassen und zu Suhrkamp gewechselt. Dort erscheint Ende Juni sein neuer Roman �Willenbrock�. Er bildet nun einen Schwerpunkt des Jubil�umsprogrammes �50 Jahre Suhrkamp�. Danke, Christoph Hein. W�re dieser Autor n�mlich dem Aufbau-Verlag treu geblieben, s�he Suhrkamps belletristischer Beitrag zum Firmenfest eigenartig antiquiert aus. Denn Suhrkamp jubiliert vor allem mit St�cken und St�ckchen aus dem Nachlass seiner alten Autoren Max Frisch, Hermann Hesse, Walter Benjamin, Samuel Beckett, Walter Koeppen und Peter Weiss - und mit umgepackten Gedichten von Bert Brecht und Octavio Paz sowie einer einb�ndigen Ausgabe von Uwe Johnsons monumentalem Jahrhundert-Roman �Jahrestage�.
Ein Jubil�um als Anlass zur Reflexion lautet die programmatische Erkl�rung aus Frankfurt. Mit einem nostalgischen Blick zur�ck? Suhrkamps Pressechefin Heide Grasnick: �Nein. Wir besinnen uns lediglich auf unsere eigenen Wurzeln und bringen mit Christoph Heins Roman gleichzeitig auch etwas Neues.� Trotz Heins Prosa wird in diesem fr�hsommerlichen Jubelreigen die Hommage des Hauses an die Autoren der ersten Stunde �berwiegen.
Einst war Suhrkamp die Anlaufstelle f�r junge, deutschsprachige Dichter
Ein Club der alten Dichter. Das ist neu. Denn der Suhrkamp-Verlag hatte seit seiner Gr�ndung durch Peter Suhrkamp im Jahre 1950 immer eine doppelte Funktion: Er verstand sich als Ort f�r die �Klassiker der Moderne�, aber auch als Anlaufstelle f�r junge, deutschsprachige Autoren. Viele kamen an. 1979 beispielsweise Reto H�nny mit seinem furiosen Deb�t �Ruch�; Rainald Goetz landete 1983 mit seinem Romanerstling �Irre� einen spektakul�ren Erfolg; 1988 sorgte Norbert Gstrein mit seiner Erz�hlung �Einer� f�r Aufsehen; Peter Weber schliesslich trug 1993 seinen poetischen Wasserfall �Der Wettermacher� nach Frankfurt und st�rmte die Bestsellerlisten.
Seither ist es ruhig geworden im Hause Suhrkamp. Geblieben ist das Programm. Das darf sich sehen lassen. Es enth�lt Werke des 20. Jahrhunderts, die l�ngst zum Kanon der deutschsprachigen Literatur geh�ren. Wer sich allerdings �ber die junge deutschsprachige Literatur des ausklingenden 20. Jahrhunderts informieren will, hat �ber das Suhrkamp-Programm keine Chance. Wohl hat Siegfried Unseld, der seit Peter Suhrkamps Tod im Jahre 1959 die Geschicke des Verlags patriarchalisch wahrnimmt, vor f�nf Jahren den damals 22-j�hrigen Churer Schn�sel Gion Mathias Cavelty (�Quifezit�) unter seine Fittiche genommen und damit gleich auch das Ende seines Ausflugs in die postmoderne Poesie signalisiert. Offensichtlich kein Interesse hatte er an der Zeitgeist-Literatur jener deutschen Jungdichter, die zurzeit mit dandyhaften Inszenierungen S�le f�llen und Leser finden.
Ob die jedoch selbst mit Suhrkamp lieb�ugeln? �Kaum�, sagt die Pressechefin des Aufbau-Verlages, Barbara Stang, und erkl�rt: �Fr�her war es Prestigesache, bei Suhrkamp zu landen. F�r junge Autoren gilt das heute nicht mehr.� Indizien f�r Suhrkamps R�ckzug auf das Bildungsb�rgerlich-Best�ndige gabs vor ein paar Jahren schon beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Hier, wo die Avantgarde sich tummelt, war einst auch Suhrkamp pr�sent. �Seit etwa sechs Jahren nicht mehr�, registriert Barbara Stang. In Klagenfurt haben jetzt andere Verlage die Nase vorn. Zum Beispiel: immer wieder Eichborn, der n�chsten Monat den Gang an die B�rse wagt. Neu aber auch die literarischen Reihen von Du Mont und Beck. Vor allem aber: Kiepenheuer & Witsch. Das best�tigt neidlos selbst die Konkurrenz. Margaret Schwind, Pressechefin bei S. Fischer: �Keine Frage. Wer sich �ber die neueste deutschsprachige Literatur informieren will, muss bei Kiepenheuer & Witsch in K�ln anklopfen.�
Bei KiWi versammelt sich die poppig-peppige Lifestyle-Literatur
Tats�chlich hat sich bei KiWi rund um Christian Kracht (�Fazerland�) und Benjamin Stuckrad-Barre (�Soloalbum�) und Benjamin Lebert (�Crazy�) eine Art Netzwerk gebildet, in dem unbek�mmert wirkt, was sich zur popig-peppigen Life-Style-Literatur z�hlt. Kalk�l oder Zufall? �Von allem ein bisschen�, meint KiWis Pressefrau Gudrun F�hndrich: �Wir haben ein umtriebiges Lektorat, eine gewisse Offenheit gegen�ber jungen Autoren und ihren nicht ganz konformen Texten und die Bereitschaft, ein gewisses Risiko einzugehen.� Risikofreude mit einer jungen und unbekannten Autorin hatte �brigens auch die Frankfurter Verlagsanstalt - 1997 mit Zo� Jennys �Bl�tenstaubzimmer�. Der Roman wurde zum Kultbuch und verkaufte sich �ber 120 000-mal. Oder 1999 mit dem bestechenden Deb�t �Stadt Land Fluss� des ebenfalls jungen und unbekannten Christoph Peters. Mitverantwortlich an diesem Erfolg war der Chef der Frankfurter Verlagsanstalt. Sein Name: Joachim Unseld - als Sohn von Suhrkamp-Unseld kennt er das Metier.
Alles von Shakespeare. N�rnberger Verlag plant Gesamtausgabe
Im dreizehnten Jahr seines Bestehens wagt sich der kleine Ars vivendi Verlag in Cadolzburg vor den Toren N�rnbergs an sein ehrgeizigstes Projekt, eine Shakespeare-Gesamtausgabe im englischen Original und in deutscher �bersetzung.
Bis zum Jahr 2009 geht der Zeitplan des Verlags Ars vivendi, dann soll eine Neu�bertragung von Shakespeares Werken in 39 B�nden vorliegen. F�r das ganze Projekt hat Frank G�nther die �bersetzung �bernommen. Jeder Band enth�lt neben dem zweisprachigen Text des Dichters zus�tzlich Anmerkungen, einen Bericht aus der ��Werkstatt'' des �bersetzers und einen Essay von einem angesehenen deutschen Shakespeare-Forscher. Als erste B�nde der neuen Edition sind im April die ��Kom�die der Irrungen'' und ��Ein Sommernachtstraum'' erschienen. Sie kosten jeweils 49 Mark.
Daf�r erh�lt der Leser nicht nur eine edle Leinenausgabe mit sch�nem Vorsatzpapier und zwei Leseb�ndchen in den Farben des Signums, sondern vor allem einen zeitgem��en Text oder - wie es der Verlagschef Norbert Treuheit formuliert - eine ��Klassikeredition vom Feinsten''. Abgeschlossen wird die Ausgabe mit den Sonetten und den ��nichtdramatischen Dichtungen'' Shakespeares.
Begonnen hat alles mit einer ��Performance'', erz�hlt der 43-j�hrige Verleger und Anglist. ��Damals erlebte ich Frank G�nther und war von ihm und seiner �bersetzungskunst sofort begeistert'', berichtet Treuheit. In seiner ��one-man-performance'', die er in diesem Monat wieder aufnehmen will, l�sst der 1947 in Freiburg geborene Theaterregisseur Shakespeare-Figuren wie auf der B�hne auftreten. Nach Regiearbeiten in Deutschland und der Schweiz sowie einem l�ngeren Nordamerika-Aufenthalt arbeitet G�nther seit 1974 als �bersetzer im Kreis Biberach auf dem Land. Dort besch�ftigt er sich ��zwischen B�chern und Bienen'', wie er sagt, mit der �bertragung alter und neuer Dramen. Seine Shakespeare-�bersetzungen sind seit 1995 beim Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) in M�nchen in bisher zw�lf B�nden erschienen, weitere neun - der n�chste Band kommt im Juni heraus sind fest eingeplant. ��Wir haben die M�glichkeit einer Gesamtausgabe besprochen'', sagt Treuheit, ��und sind in Kooperation mit dtv zu der �berzeugung gelangt, dass sich das Projekt rechnen k�nnte.'' Der Buchhandel habe auf das Projekt unglaublich positiv reagiert. ��Wir sind Optimisten und bauen auf Komplizen.''
Das Buch und sein Beiwerk. Zensur, F�lschung und Lesespuren ausgestellt im Literaturhaus Berlin
Man �bersieht sie gerne, diese Zuneigungen gleich nach dem Titelblatt: "F�r Ute, die es mit F. hat" steht dann da, oder "F�r Anne". Mitunter aber fragt man sich als Leser: Was geht mich dieses Buch eigentlich an, wenn es explizit f�r andere geschrieben ist? Anhand der Widmung wird ein grundlegendes Dilemma des Schriftstellers offenbar: Einerseits sucht er die �ffentlichkeit, andererseits jedoch scheint ihm nicht ganz wohl dabei zu sein, sein Buch aus der Hand zu geben.
Dieses Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach �ffentlicher Anerkennung und der Furcht vor einer Verletzung der Intimsph�re beschreibt die Ausstellung "Aus der Hand oder was mit B�chern geschieht" im Berliner Literaturhaus. Dieser von Helmut Mojem und Reinhard Tgahrt konzipierte letzte Teil der Serie "Vom Schreiben", der bereits in Marbach und Weimar zu sehen war, systematisiert in vier Abteilungen M�glichkeiten von Autoren und Verlegern, die Rezeption ihrer B�cher zu beeinflussen. Die Sektionen "Beiwerk" sowie "Markt und Policey" besch�ftigen sich mit fingierten Verfassernamen, Illustrationen, aber auch mit Zensur, Selbstzensur und F�lschungen. In den Abteilungen "Zuneigungen/ Eigentum" und "Verbesserungen?!" geht die Ausstellung der privaten Einflussnahme nach. Hier sieht man neben Ausgaben letzter Hand auch Susette Gontards "Hyperion"-Ausgabe mit H�lderlins Widmung "Wem sonst als Dir" und ein selbst gestaltetes Exlibris von Hermann Hesse.
Benn als kritischer Leser
Aufschlussreich sind vor allem verschiedene Formen von Lesespuren: handschriftliche Anmerkungen, Kritzeleien, Kommentare. Unter anderem begegnet der Besucher einem Gedichtband Max Hermann-Nei�es aus Gottfried Benns Besitz, an dem dieser wenig Freude gefunden zu haben scheint. Ganze Strophen hat er umgedichtet, so dass sich ein Netz von Gedichten Benns �ber jene von Hermann-Nei�e legt. Mit solchen Beispielen verdeutlicht die Ausstellung, dass Texte stets ver�ndert, kommentiert und �berschrieben werden wie bei einem Palimpsest. Um den urspr�nglichen Text legt sich ein Geflecht literarischer und au�erliterarischer Beitexte oder Paratexte, die mit ihm in einen Dialog treten. Man muss sich Zeit nehmen, diesen zu verfolgen, dann entwickelt die ansonsten etwas trockene B�cherschau durchaus eine eigene Dynamik. Dabei ruft sie ins Ged�chtnis, dass der Autor seine Absicht nicht allein mit Worten kundtut, sondern auch mit der Form seines Buches. Eindr�cklichstes Beispiel ist hier Stefan Georges "Algabal": Durch eine Erstauflage von nur einhundert Exemplaren beschr�nkte der Dichter den Kreis seiner Leser auf einen elit�ren Zirkel ergebener J�nger. Der Furcht des Autors wird hier nicht allein mit schwierigem, hermetischen Sprechen begegnet, sondern auch mit der Auflagenzahl. Mitunter jedoch stehen Text und Beiwerk in offenem Widerspruch zueinander.
Das belegt etwa eine fr�he "Werther"-Ausgabe, deren Titelblatt ein Stich des steifen Geheimrats Goethe in voller Montur ziert. Kann man die Herzensergie�ungen im Geiste des Sturm und Drang noch ergriffen lesen, wenn man stets das Bild eines arrivierten Staatsschriftstellers vor Augen hat? Indem sie Fragen wie diese aufwirft, verabschiedet die Ausstellung die Illusion des in sich geschlossenen Textes: Der Text erscheint vielmehr als einer unter vielen, umgeben von Vorw�rtern, Randbemerkungen, Waschzetteln, Verlagssignets, Illustrationen, Widmungen, F�lschungen. Die Ausstellung veranschaulicht eindrucksvoll, dass es "den Text" an sich gar nicht gibt, sondern dass er vielmehr ein Prozess s des Lesers ist, welcher sich aus dem Geflecht von Worten und Bildern sein eigenes Buch erschafft.
Soll Bob Dylan Nobelpreis bekommen?
Lars Forssell, Juror bei der Vergabe des Literaturnobelpreises, hat den US-Musiker Bob Dylan (59) als ernsthaften Anw�rter auf die angesehenste Literaturauszeichnung der Welt eingestuft. Der 72-j�hrige Forssell, der seit 1971 als Mitglied der Schwedischen Akademie mit 17 weiteren Juroren �ber die Preisvergabe entscheidet, sagte in einer am Donnerstag vom schwedischen Fernsehen ausgestrahlten Sendung �ber Dylan: "Er ist absolut ein denkbarer Tr�ger des Nobelpreises f�r Literatur." In den letzten Jahren hatten sich Kritiker in Schweden mehrfach daf�r ausgesprochen, den seit Anfang der 60er Jahre als Komponist, Texter und S�nger aktiven Dylan mit dem Nobelpreis auszuzeichnen. Dabei hie� es, mit einer solchen Entscheidung trage die Akademie auch einem durch Massenkultur drastisch ver�nderten Begriff von Literatur Rechnung. Ende des Monats nimmt Bob Dylan zusammen mit dem Geiger Isaac Stern aus der Hand von Schwedens K�nig Carl XVI. Gustaf den diesj�hrigen "Polar-Musikpreis" entgegen. Der mit insgesamt zwei Millionen Kronen (460 00 Mark) dotierte Preis wird f�r herausragende Leistungen in modernen Musikformen sowie klassischer Musik vergeben und geht auf eine Stiftung des Ex-Abba-Managers Stig Anderson zur�ck.
Guernica der deutschen Literatur. An Land gesp�lt: �Flaschenpost� von Paul Celan, der vor 30 Jahren starb und dem Christian Bertram jetzt einen �Polylog� widmet
Kein Lesebuch, keine Gedichtsammlung darf sie �bergehen: die 1944/45 entstandene �Todesfuge�. Ihr Autor Paul Celan (1920-1970) geh�rt zur Elite der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Der geb�rtige Rum�ne, der in Paris unterrichtete, deutsche Gedichte schrieb und Weltliteratur �bersetzte, ist vielfach ausgezeichnet worden: unter anderem mit dem Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen, dem Georg-B�chner-Preis und dem Gro�en Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen.
Celan gilt als einer der gro�en Mahner der fr�hen Bonner Republik. Eine Rolle, die er um einen hohen Preis erworben hatte. �Der Tod ist ein Meister aus Deutschland�, schrieb er dem Volk der Dichter und Denker ins Stammbuch. Am eigenen Leib hatte der Jude Paul Antschel aus Czernowitz die Grausamkeit der Kulturnation erfahren. Als Student war er von den Nationalsozialisten zur Zwangsarbeit verpflichtet worden. Seine Eltern starben im Arbeitslager: der Vater an Typhus, die Mutter wurde ermordet. 1947 floh Celan aus Bukarest �ber Wien nach Paris. Bis zu seinem Freitod lebte er als Lyriker, �bersetzer und Lektor f�r Deutsche Sprache und Literatur an der Seine. Mit einem schweren Erbe: sein Handwerkszeug, die Muttersprache, war auch die Sprache der M�rder seiner Mutter.
Theodor W. Adornos Diktum, dass es �barbarisch� sei, �nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben�, kann f�r Paul Celan nicht gelten. Seine �Todesfuge� ist das �Guernica� der deutschen Literatur. Seine Lyrik entzieht sich weder dem Gr�uel noch dem Sch�nen. Sie �berrascht mit der Brillanz der Sprache, dem Reichtum an W�rtern und Bildern, und sie irritiert mit ihrem beredt-beklemmenden Schweigen. Ihr Thema ist das Unvereinbare, das Paradox, die �SCHWARZE Milch der Fr�he�.
Trost versprechen Celans Gedichte selten. Dennoch sind sie vielen Lesern mit ihrer hermetischen Sch�nheit, ihrer sprachlichen Rauheit und ihrem r�tselhaften Fragmentcharakter eine metaphysische Heimat. Der Suche nach einer Botschaft verweigern sie sich nicht. Wie den Philosophen Hans-Georg Gadamer, einen von Celans Exegeten, verweisen sie jeden auf die existenzielle Frage �Wer bin Ich und wer bist Du?� Als �Flaschenpost� wollte Celan seine Gedichte verstanden wissen, die �irgendwo und irgendwann an Land gesp�lt werden, an Herzland vielleicht�. Doch der Flascheninhalt ist t�ckisch. Bei n�herem Hinsehen entpuppt sich der fast schon r�hrend moralische Ton als das krasse Gegenteil. Die gef�hlige Nestw�rme erkaltet zur industriell gefertigten Massenware, die erschaudern l�sst: �DAS AUSGESCHACHTETE HERZ,/ darin sie Gef�hl installieren.// Gro�heimat Fertig-/teile.�
Die bislang dominierende Lesart, Celans Gedichte als authentischen Spiegel j�dischen (�ber-)Lebens und als glaubhaften Spiegel des Ichs zu begreifen, ist nur eine m�gliche. Eine zul�ssige, aber gewiss nicht die einzige. Dichtung kann schlie�lich auch Wirklichkeit erzeugen. Sie darf widerspenstig sein, r�tselhaft, sinnlich, nicht entzifferbar, und sie braucht dem Leser nicht st�ndig mit erhobenem Zeigefinger den Weg zu weisen.
30 Jahre nach Paul Antschels Tod scheint es an der Zeit, dass die �Nachgeborenen� der Berliner Republik den Dichter Paul Celan wiederentdecken. Mit einer szenischen Lesung bricht der Regisseur Christian Bertram das intime Zwiegespr�ch zwischen Leser und Text auf. Ein vielstimmiger �Polylog� erschlie�t mit einer kunstvoll verschr�nkten K�rper-, Wort- und Lichtsprache �berraschende Sinnschichten. Die Performance steht unter dem Stern des hebr�ischen Lichtbegriffs �Ziw�. �NAH, IM AORTENBOGEN�, in den Herzkranzgef��en, hat ihm der Lyriker eine Heimat zugewiesen.
Das unersch�pfliche B�cherregal. ��Books on Demand''.
Diese Geschichte beginnt mit einem - erfundenen - jungen Mann namens Thomas Pelzeit, der eine philosophische Abhandlung verfasst hat. Man k�nnte sagen: Er hat sie aus Passion, aber nicht unbedingt in Hinblick auf ihre Verk�uflichkeit geschrieben. Die Arbeit ist im Lauf der Jahre auf mehrere 100 Seiten angewachsen. W�rde er das Werk einem kleinen Wissenschafts-Verlag zur Publikation anbieten, m�sste er daf�r wahrscheinlich den Preis eines komfortablen Kleinwagens bezahlen. Die B�cher w�rden von ein paar wenigen Bibliotheken gekauft, ansonsten aber voraussichtlich im Lager oder in den Buchhandlungen verstauben.
F�r Thomas Pelzeit gibt es jedoch seit dem letzten Jahr eine Alternative: ��Books on Demand'' hei�t das Zauberwort. Ein paar hundert Mark muss er investieren, damit sein Manuskript ins digitale Programm des Buchgro�h�ndlers Libri aufgenommen wird. Aus dem fertigen Text wird eine Druckvorlage erstellt, ein Referenzbuch entsteht, �ber die Gestaltung hat der Autor vollst�ndige Kontrolle. Geht dann eine Bestellung bei einem konventionellen oder einem Online-Buchh�ndler ein, kann das Werk innerhalb k�rzester Zeit gedruckt und in der Qualit�t eines normalen Taschenbuchs an den Leser ausgeliefert werden.
Die Nachfrage bestimmt also die Auflage. Auch l�ngst vergriffene B�cher stehen so ohne zeitliche Beschr�nkung und auf Abruf - on demand - f�r die Leser bereit. Lagerkosten und Risiken bei der
Auflagenh�he fallen f�r die Autoren oder Verlage, die sich an dem System beteiligen, weg. Das neue Verfahren kommt einer kleinen Revolution auf dem Buchmarkt gleich. Nicht nur bei selbstverlegenden Autoren und beim Grossisten Libri, einem Vorreiter auf diesem Gebiet, herrscht Aufbruchsstimmung. Der fr�here Ullstein-Verleger Wolfram G�bel etwa publiziert mit seinem ��Verlag der Criminale'' ausschlie�lich B�cher �ber das Libri-Verfahren. Er will damit kriminalistische Literatur f�rdern und nicht mehr lieferbare Meisterwerke der Vergessenheit entrei�en. 20 Titel liegen bisher vor. Auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst soll noch ein ��Verlag f�r zeitgen�ssische Lyrik'' hinzukommen. Gerade bei risikoreichen und in kleinster Auflage erscheinenden B�chern liegen die Vorteile von ��Print on Demand'' auf der Hand. Das denken sich auch renommierte Verlage wie Beltz, DuMont oder Haffmanns, die in das Gesch�ft einsteigen und Kleinst- und Wiederauflagen als ��Books on Demand'' anbieten.
Insgesamt sind es bislang etwa 25 000 bis 30 000 B�cher, die monatlich mit dem neuen Verfahren publiziert werden. Bald schon will man das Doppelte und Dreifache erreichen. Auch einen Verkaufserfolg hat Libri bereits auf virtuellem Lager: die philosophische Samurai-Bibel ��Hagakune'' von Yamamato Tsunetomo, die als Vorlage f�r Jim Jarmuschs Film ��Ghost Dog'' diente. Die Vorteile beschreibt Reinhardt Merzdorf, der bei der Firma Xerox das ��BoD''-Verfahren entwickelt hat, folgenderma�en: Der Kunde hat ein ��unersch�pfliches Regal'' vor sich, ��einen einzigen zentralen Lagerplatz'', der allerdings nur Speicherkapazit�t, aber keinen Raum wegnimmt. Der aus Bad Mergentheim stammende Technologe glaubt f�r die Zukunft an einen globalen Verbund: Ohne Unterschiede in der Aufmachung, kann das vom Leser gew�nschte Buch �berall auf der Welt bestellt und gedruckt werden. Lange Wartezeiten durch weite Lieferwege geh�rten damit ebenso der Vergangenheit an wie das Risiko von Fehlinvestitionen f�r die Verlage. ��Books on Demand'' erscheint wie ein retardierendes Moment - ein vorl�ufiger Kompromiss zwischen traditionellem Buchdruck und einer sich andeutenden papierlosen Zukunft.
So genannte E-Books - Texte werden online bestellt und auf einen kleinen, �berallhin mitnehmbaren Leseschirm heruntergeladen - sind technisch ausgereift und k�nnten in einigen Jahren zu einer noch tiefergreifenderen Umw�lzung des Buchmarkts f�hren. Die Verlage sp�ren das und versuchen Anschluss an die Entwicklungen zu halten. Ob ein Bildschirm aber jemals das taktile Vergn�gen beim Umbl�ttern einer Buchseite ersetzen kann, bleibt fraglich. Nicht umsonst l�sst sich der Verleger Klaus Wagenbach ein neu gedrucktes Buch immer erst in sein B�ro bringen, um am Papier zu schnuppern und zu f�hlen.
Von Hand die Bibel abschreiben. Der 600. Geburtstag Johannes Gutenberges und das Heilige Jahr 2000 sind der Anlass.
Eine ganze Stadt soll die Bibel abschreiben. Die Idee dazu stammt von den christlichen Kirchen in der Hochrheinstadt Waldshut-Tiengen. So soll eine Tradition wieder aufleben, die in der Region lange zuhause war. Vor Jahrhunderten entstanden in den kl�sterlichen Schreibstuben auf der Reichenau im Bodensee oder im Schweizer St. Gallen prachtvolle Abschriften des Buchs der B�cher. Nun sollen �berall in Waldshut-Tiengen ��Schreibstuben auf Zeit'' eingerichtet werden.
Zum 600. Geburtstag von Johannes Gutenberg, der als erster mit beweglichen Lettern eine lateinische Bibel druckte, will die Aktion f�r die Freude am Sch�nschreiben werben. Hinzu kommt als Anlass das Heilige Jahr 2000, der �bergang ins dritte Jahrtausend christlicher Zeitrechnung. Mit dabei sind nicht nur die beiden gro�en Kirchen, sondern auch Altkatholiken und die evangelische Freikirche. Sie rufen die 22 500 Einwohner von Waldshut-Tiengen auf, ein paar Bibelseiten nach traditioneller Manier mit schwarzer Tinte abzuschreiben. Das alterungsbest�ndige Papier dazu ist bereits ausgesucht. Demn�chst sollen es Drucker im nahen Basel mit feinen Hilfslinien f�r das Projekt vorbereiten. Ihre Kollegen von der Buchbinderzunft k�nnten, wenn alles gut geht, dann Ende des Jahres die beschriebenen Papierb�gen im Royal-Format zu drei bis vier ordentlichen B�nden zusammenf�gen.
Das fertige Werk soll m�glichst an einem von vielen Einwohnern besuchten Platz ausgestellt und zum Beispiel bei Heimatfesten benutzt werden. Jetzt geht es aber erst einmal darum, gen�gend B�rgerinnen und B�rger f�r die Flei�arbeit zu finden. 200 bis 300 Schreiber sind n�tig.
Rettung f�r 60 Millionen B�cher
G�nter Grass und Hans Magnus Enzensberger haben im ZDF zur Rettung der mehr als 60 Millionen vom Zerfall bedrohten B�cher in Deutschlands Archiven aufgerufen. Nobelpreistr�ger Grass sagte, f�r die Rettung zu sorgen, sei eine ��Herausforderung an die gesamte Gesellschaft''. Hans Magnus Enzensberger kritisierte mit Blick auf die Expo in Hannover: ��Wenn es um Weltausstellungen geht oder um Kulturhauptst�dte, dann spielen Millionen keine Rolle, dagegen ist nie Geld vorhanden, wenn es um Substanz geht.'' Die ZDF-Dokumentation ��B�cher sterben langsam. Kulturzerfall durch S�uretod und Tintenfra�'', die am Sonntag gesendet wird, zeigt u. a. die Probleme bei der Rettung der Notenhandschriften von Johann Sebastian Bach, der Manuskripte von Franz Kafka und Ernst J�nger.
Wenn Salz und Pilze an B�chern nagen
Papierzerfall hei�t ihr gr��ter Feind. Aber auch Schimmelpilze, zerfledderte Buchr�cken, Salzverkrustungen und Tintenfra� machen der Restaurierungswerkstatt der Marburger Universit�ts-Bibliothek zu schaffen. In einer Ausstellung pr�sentiert die Abteilung ihre Arbeit. Im Notfall kommen die B�cher in die Gefriertruhe. Die haben die Marburger Restauratoren im eigens angelegten "Katastrophenschutzraum" aufgestellt, um bei Wassersch�den schnell eingreifen zu k�nnen. Letzter Gro�einsatz war die medizinhistorische Bibliothek, wo wertvolle Literatur bei einem Wasserrohrbruch durchn�sst wurde. In der Gefriertruhe, in der rund 1000 B�cher Platz haben, konnte der Schaden zun�chst gestoppt werden. Bei der anschlie�enden Gefriertrocknung wurde dem gef�hrlichen Schimmelpilz endg�ltig der Garaus gemacht, der sich sonst innerhalb von 48 Stunden h�tte ausbilden k�nnen. Rund zwei Millionen B�cher birgt die Marburger Universit�ts-Bibliothek, die eine vergleichsweise gro�e Abteilung f�r Bestandserhaltung aufweist. Restauratorinnen, Buchbinder sowie Mitarbeiter von Fotostelle geh�ren zu dem rund zehn Mitarbeiter umfassenden Team, dessen Arbeit meist im Verborgenen geschieht. Schlie�lich hat die �lteste protestantische Universit�t der Welt einen ungeheuer wertvollen, kaum vom Krieg besch�digten Bestand von Autographen sowie B�chern aus der Zeit von vor 1900.
Der einzige gr��ere Schaden w�hrend des Zweiten Weltkrieges entstand ausgerechnet bei der Auslagerung von rund 230000 B�nden, die im August 1944 in das ehemalige Kalibergwerk Heimboldshausen an der hessisch-th�ringischen Grenze gebracht wurden, um sie vor Luftangriffen zu sch�tzen. Doch in den Stollen brach ein Feuer aus. 32000 B�cher wurden ganz vernichtet. 4100 so genannte "Salzb�nde" machen den Restauratoren bis heute zu schaffen: Hei�es, verfl�ssigtes Salz sowie vom L�schwasser gel�stes Salz drang in die B�cher ein, deren Seiten von den Salzkristallen deformiert wurden.
Blatt f�r Blatt gew�ssert
Wurde schon vor Jahren ein allerdings sehr aufwendiges Verfahren zur "Entsalzung" an der Uni-Bibliothek entwickelt, bei dem Blatt f�r Blatt gew�ssert werden m�sste, hofft die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Ulrike H�hner, f�r die leichteren F�lle auf das Service-Labor des Fachbereichs Chemie. Hier wird zurzeit an Methoden get�ftelt, um B�cher mit geringen Salzverkrustungen behandeln zu k�nnen.
Sind die "Salzb�nde" eine bundesweite "Rarit�t", so stellt der Papierzerfall ein Massenproblem dar. Seit Mitte vorigen Jahrhunderts werden die B�cher aus mehr oder minder s�urehaltigem Papier hergestellt, das im Laufe der Jahrzehnte vergilbt und schlie�lich so br�chig wird, dass die Seiten zerfleddern. Nach Sch�tzungen sind mehr als 30 Prozent aller Best�nde von wissenschaftlichen Bibliotheken bereits stark br�chig oder vergilbt. Verst�rkt seit den 80er Jahren wird daher darauf hingewiesen, dass s�urefreies Papier verwendet werden muss, um diesen Schaden zu verhindern. Denn das Ents�uern ist zwar prinzipiell m�glich, f�r die Marburger Universit�ts-Bibliothek jedoch zu teuer. Daher wird die gef�hrdete Literatur bisher nur f�r die Ents�uerung vorgemerkt und von der Fotostelle verfilmt. Und selbst dieser Aufwand wird nat�rlich nur f�r besonders seltene und wichtige B�cher betrieben.
So betreut die Restauratorin Gesine Brakhage seit zwei Jahren ein Projekt zum "Hassiaca-Bestand", hinter dem sich knapp 400 Regalmeter mit Literatur zur hessischen Landeskunde sowie in Hessen erschienener Literatur verbergen. Darunter sind ungew�hnlich viele Unikate, aber auch Hefte, Brosch�ren, Kalender und Flugbl�tter ab der zweiten H�lfte des 19. Jahrhunderts, die auf minderwertigem Papier gedruckt und schlecht gebunden wurden. So werden bei der Durchsicht der Sammlung die rostigen Drahtklammern entfernt und durch Leinenf�den ersetzt, die besch�digten B�cher erfasst und besser aufgestellt. Einzigartig ist auch der Marburger Bestand von Autographen des Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny, der im Rahmen eines Projekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft digitalisiert und ins Internet eingestellt wird.
Vorher werden die Briefe und Manuskripte des Juristen jedoch von Ulrike H�hner untersucht. Gr��tes Problem ist der Tintenfra�, Sp�tfolge der Eisengallustinte, die sich bei ung�nstigem Mischungsverh�ltnis so in das Papier frisst, dass die Schriftz�ge im Endstadium regelrecht herausbrechen. Nach der Auswertung der Sch�den soll daf�r ein eigenes Restaurierungskonzept entwickelt werden. Das zeigt, dass sich die Marburger Restauratoren l�ngst nicht mehr nur um die aufwendigen Reparaturen einzelner B�cher k�mmern, wenngleich das aus der Medizin stammende Besteck von Scheren, Spateln und Skalpellen nat�rlich nach wie vor zum Einsatz kommt, um abgerissene Buchr�cken und verknickte Ecken zu st�rken.
Sie setzen eher auf Projekte und Vorbeugung: So sind bereits seit mehreren Jahren zwei Mitarbeiterinnen damit besch�ftigt, den riesigen Bestand im metallisch gl�nzenden Magazinturm zu reinigen. Bei zwei Millionen Exemplaren, von denen jedes Jahr allein 350000 ausgeliehen werden, eine Sisyphusarbeit, obgleich die Frauen pro Jahr bis zu 30000 B�nde schaffen. Jedes einzelne Buch wird nicht nur abgestaubt, sondern auch abgerieben, damit der seit Jahrzehnten festsitzende Schmutz auf den Buchdeckeln bei der Benutzung nicht ins Buchinnere verschleppt wird. Au�erdem wird nat�rlich auf besch�digte Literatur geachtet. Schlie�lich ist die Arbeit auch eine wichtige Vorbeugung gegen Schimmelpilze, denen die Restauratoren mit speziellen Untersuchungen und Staubsaugern zu Leibe r�cken.
Justbooks nimmt B�cher nach dem Lesen zur�ck
Mit der Erweiterung des Angebots um neue B�cher unter dem Namen Just-New-Books bietet der D�sseldorfer Online-H�ndler mit gebrauchten und antiquarischen B�chern Just-Books eine R�ckkaufoption beim Neubucherwerb an. Das Angebot ist bisher sowohl im klassischen Buchhandel wie auch im Internet-Buchhandel neu und gilt exklusiv f�r Fach- und Studienb�cher.
Online-Buchh�ndler: Millionenkosten durch neues Gesetz. Widerruf bei "Fernkauf"
Der boomende Internet-Buchhandel in Deutschland ist nach Einsch�tzung der H�ndler durch ein neues Gesetz in Gefahr. Das so genannte Fernabsatzgesetz w�rde den Handel katastrophal belasten, sagte der Gesch�ftsf�hrer des Bundesverbandes der deutschen Versandbuchh�ndler, Christian Russ, am Montag in einem dpa-Gespr�ch vor Beginn der Jahreshauptversammlung in Ulm.
Am Freitag (19. Mai) solle die Regelung im Bundesrat beraten werden. Das Gesetz sehe vor, dass �Fernk�ufe� - darunter fallen auch Eink�ufe �ber das Internet - innerhalb von zwei Wochen widerrufen werden d�rfen. Die Kosten f�r die R�cksendung m�ssen die H�ndler zahlen. Diese Portokosten werden den H�ndlern nach Einsch�tzung von Russ Mehrkosten in Millionenh�he einbringen. �Viele kleine und mittelst�ndische Betriebe wird das in den Ruin treiben�, sagte Russ. Im Durchschnitt w�rden zehn Prozent der B�cher, die im Internet oder bei einem Versandbuchh�ndler bestellt werden, zur�ck geschickt. �Bei einer durchschnittlichen Buchsendung kostet das Porto 20 Mark�, meint Russ. Durch das neue Gesetz bef�rchtet er eine drastische Zunahme der R�cksendungen. �Wenn es nichts kostet, bestellen die Leute f�nf B�cher und schicken vier zur�ck. Das wird dann so eine Art Ansichtsbestellung� bef�rchtet Russ. Vor allem f�r den Buchhandel �ber das Internet sieht er schwarz: �Damit schie�t sich Deutschland aus dem Wettbewerb heraus.� W�hrend andere Branchen die erh�hten Kosten �ber den Preis auf die Kunden umlegen k�nnten, sei dies den Buchh�ndlern auf Grund der Preisbindung nicht m�glich.
Mit dreistelligen Zuw�chsen ist der Buchhandel �ber das Internet nach Worten von Russ der gr��te Wachstumsmotor der Branche. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um rund 150 Prozent auf 150 Millionen DM. Insgesamt setzten die Versandbuchh�ndler im vergangenen Jahr rund zwei Milliarden DM um. Im Bundesverband der Versandbuchh�ndler sind neben den Internet-Buchh�ndlern auch zahlreiche Fachverlage und Buchclubs zusammengeschlossen, die ihre Produkte per Post versenden.
Das Buch geht an die B�rse. Versandbuchh�ndler im CCU
,,Wir brauchen ein gesundes, funktionierendes Sortiment der geistigen Tankstellen". Dies sagte der Gesch�ftsf�hrer der Deutschen Versandbuchh�ndler, Dr. Christian Russ, mit Blick auf die Kollegen des Sortiment-Buchhandels auf der Jahreshauptversammlung seines Bundesverbandes im Ulmer Congress Centrum, die dort heute mit einer ganzt�gigen Buchausstellung zu Ende geht. Die Tagung, die Messe und Umschlagplatz zugleich ist, r�ckt auch unter dem Motto ,,Das Buch geht an die B�rse", den Boom durch`s Internet ebenso in den Vordergrund, wie sie Problembereiche der Branche - wie die mit R�ckgaberecht f�r den Kunden gekoppelte neue Verbraucherschutzregelung - zur Sprache bringt.
Vom Bundestag verabschiedet, wird das neue sogenannte ,,Fernabsatzgesetzt" �bermorgen im Bundesrat beraten. Aufmerksamkeit f�r`s Branchen-Problem erwecken will Christian Russ auch deswegen, weil die neue, an EU-Richtlinien gebundene Bestellverordnung ja bis zum Sommer umgesetzt werden m�sse. Probleme daran bereitet den Versandbuchh�ndlern insbesondere das an zweiw�chigen Widerruf aufgestockte R�ckgaberecht, worunter auch Eink�ufe �ber das Internet fallen.Vorgesehen ist, dass Kosten der R�cksendung ,,automatisch zwingend vom Unternehmer getragen werden". Bei 10prozentigen R�cksendequoten sieht Russ enorme Kosten auf den Versand zukommen.
F�r wirklich originelle Firmen mit eigener Firmenidee lohne sich der Gang an die B�rse, sagt der Gesch�ftsf�hrer. ,,Da wird in einigen Jahren im Internet sicher viel Geld verdient". Im gesamten Foyer des CCU haben �ber 50 gro�e Versandbuchh�ndler, die 120 Verlage repr�sentieren, ihr Domizil aufgschlagen. Hier werden vor Ort Deals gemacht, bei Vetriebsgespr�chen gut 50 000 B�cher verkauft. Der Jahresumsatz des Versandhandels, rund f�nf Prozent des Einzelhandelsumsatzes, bel�uft sich bei sechsprozentiger Steigerungsrate auf knapp zwei Milliarden.
Liebe, Tod und Teufel - und das 20. Jahrhundert .
Andrzej Szczypiorski, polnischer Schriftsteller, ebenso klarsichtiger wie "barmherziger" Humanist, ist 72j�hrig gestorben.
"Die politischen Systeme wandeln sich, aber der Teufel bleibt der gleiche" war ein Interview �berschrieben, das Andrzej Szczypiorski im M�rz vergangenen Jahres dieser Zeitung gegeben hatte. Es ist dies so etwas wie eine Kurzformel f�r das Welt- und Menschenbild des polnischen Autors.
Gepr�gt wurde dieses durch die Erfahrung der totalit�ren, menschenverachtenden Systeme dieses Jahrhunderts: Szczypiorski, 1928 (nicht wie immer wieder kolportiert 1924) geboren, beteiligte sich 1944 am Warschauer Aufstand und wurde in Sachsenhausen interniert. Eines seiner bekanntesten B�cher, "Eine Messe f�r die Stadt Arras" (1968), thematisiert historisch verschl�sselt den Antisemitismus in Polen - das Buch konnte erst 1971 erscheinen. 1981, im Jahr der Verh�ngung des Kriegsrechts in Polen, wurde Szczypiorski interniert, 1982 kam er frei. Nach der Wende, von 1989 bis 1992, war er Mitglied des Senats, des Oberhauses des polnischen Parlaments. Politisch blieb er den heute mehrheitlich in der liberalen "Freiheitsunion" (UW) beheimateten ehemaligen dissidenten Intellektuellen wie Tadeusz Mazowiecki oder Bronislaw Geremek verbunden.
Wie ein roter Faden zieht sich die Auseinandersetzung mit dem, wie er es einmal nannte, "verfluchten" Jahrhundert durch sein literarisches ("Die sch�ne Frau Seidenman", 1988, "Nacht, Tag und Nacht", 1991) und essayistisches Werk. Bestimmend ist dabei die Einsicht in die Verf�hrbarkeit des Menschen - die in letzter Konsequenz in dessen Angst vor dem Tod gr�ndet. Der Tod, die Liebe und der Teufel (das B�se) - das sind, so war Szczypiorski �berzeugt, die einzigen drei wirklich wichtigen Menschheitsthemen, es ist das, was uns ein Leben lang umtreibt, was auch Szczypiorski nicht losgelassen hat. Der n�chterne Blick auf den Menschen verbietet dem Autor dabei jegliches Pathos, ebenso aber Zynismus oder Moralismus. Aus dem Wissen um die Schw�che des Menschen resultiert "Barmherzigkeit". In "Nacht, Tag und Nacht" l��t er eine der handelnden Personen einmal die Bilanz dieses Jahrhunderts ziehen. Sie ist ebenso niederschmetternd wie klarsichtig: "Millionen von Menschen wurde das Leben gestohlen, ganz einfach".
Die Kleinen sind die Gro�en. Wohin steuert der Literaturbetrieb - Unternehmensberater durchforsten Verlage, aber �ber den Erfolg entscheiden nicht allein wirtschaftliche Kriterien
Alarmmeldungen d�rfen beim Publikum stets mit gr��erer Aufmerksamkeit rechnen als �u�erung von Zufriedenheit und Gl�ck; die Angelsachsen bringen dies auf die h�bsche Formel: �bad news is good news�. Die letzten Nachrichten aus der Buchverlagsbranche klingen nun in der Tat alarmierend: Die Konzentration nimmt weiter zu. Die Rentabilit�t sinkt gleichwohl immer mehr, dass man gar den vorletzten Notanker auswirft, den Firmen in Krisenf�llen auswerfen: Man holt einen Unternehmensberater, m�glichst mit US-amerikanischem Renommee, der die Strukturen durchforstet und L�sungen empfiehlt, die in aller Regel auf betriebsbedingte K�ndigungen hinaus laufen. So geschieht es derzeit bei dem nach Bertelsmann zweitgr��ten Buchverlagskonzern in Deutschland, der Stuttgarter Unternehmensgruppe Holtzbrinck.
Die Hiobsbotschaften quellen nur so aus dem Ticker: Die halbautonome Dependence Rowohlt Berlin wird drastisch umstrukturiert. Die bisherige Verlagsleiterin entfernte sich, zusammen mit wichtigen Lektoren und Autoren. Beim Stammhaus Rowohlt in Reinbek beging der angesehene Werbechef Selbstmord, und man rechnet, unmittelbar bevorstehend, mit einem gr��eren Personalabbau. Im Haus w�rden fortan nur noch solche Neuerscheinungen betreut, die den Kosten deckenden Mindestabsatz von 6000 Exemplaren erreichen. Was diese letzte Marge anbelangt, wollen sich, so hei�t es, andere gro�e H�user anschlie�en.
Auch der andere bedeutende Holtzbrinck-Buchverlag S. Fischer befindet sich seit l�ngerem in tiefroten Zahlen. Auch dort hat man Unternehmensberater im Haus und denkt an Reduktion. Eines der m�glichen Modelle handelt von einem kleinen feinen Unternehmen mit enorm eingeschr�nkten Personal und einem entsprechenden Programm.
Das Verlagswesen ist eine kommerzielle Sache. Anders als Opernh�user oder st�dtische Museen kann es nicht auf Zuwendungen der �ffentlichen H�nde rechnen, sondern muss sich seinen Unterhalt auf dem freien Markt erwirtschaften. Dass hier Umsatz vor allem anderen rangiert, ist nat�rlich; dass allein Kitsch und triviales Entertainment sich gut verkaufe, ist ein oft ge�u�erter und leicht widerlegbarer Irrtum. Es gibt Bestseller von h�chster �sthetischer Qualit�t, und es gibt nassforsch kalkulierte Rei�er, die das Publikum gleichwohl ignoriert. Der komplizierte Autor von heute kann der Bestseller von morgen werden, und da dies so ist, muss man vorsorgen, probieren und investieren.
Ein bisschen altruistischen Ehrgeiz hat man immer auch. Man will sich ungern Kulturlosigkeit vorwerfen lassen und ediert deswegen hin und wieder einen Lyrikband, der, was man schon vorher wei�, blo� ein paar hundert K�ufer findet. Auf solche Weise kam es zum der so genannten Mischkalkulation, was bedeutet: Bestseller st�tzen finanziell jene Titel, die vermutlich ein Zuschussobjekt bleiben, die man aber um der Vielfalt und der Zukunft willen unbedingt im Programm haben m�chte.
Nun hat das Fusionsfieber, das derzeit die Weltwirtschaft durchpfl�gt, l�ngst auch die Buchverlagsbranche infiziert. Renommierte Editionsh�user wurden zu Bestandteilen, zu Unterabteilungen oder gar zu den vornehm Imprint gehei�enen Austausch-Labels von Gro�konzernen. Die letzten Opfer in Deutschland hie�en Piper, Kiepenheuer & Witsch und Berlin Verlag. Dass Zusammenschl�sse zu gr��eren Betriebseinheiten automatisch mehr wirtschaftliche Power erbringen, scheint freilich, im Verlagssektor wie sonst, keinesfalls ausgemacht. Die gegenw�rtige Situation bei Holtzbrinck liefert eben daf�r den Beweis.
In solchen Zusammenh�ngen wird dann gern die Bef�rchtung ge�u�ert, als Autor werde man hinfort blo� noch bei einem der st�ndig expandierenden Konzerne unterkommen k�nnen. Dies scheint nahe liegend und ist trotzdem falsch. An relativ gesunden und jedenfalls kommerziell erfolgreichen, dabei nach wie vor eigenst�ndigen Buchverlagen gibt es heute im deutschen Sprachraum: Suhrkamp, Hanser, Reclam, Hoffmann & Campe, Aufbau, Luchterhand, Eichborn und Diogenes, nur als Beispiel. Die �u�erst agilen Kleinverlage des Typus Wagenbach, Sch�ffling oder Haffmanns wurden dabei nicht erw�hnt. Ihre Chance kann sich durch die Fusion der gro�en H�user eigentlich nur verbessern. Hier muss, wieder einmal, daran erinnert werden, dass der Verlag eine besonders altmodische Form der Warendistribution darstellt, f�r den die Kleinteiligkeit gleichsam die nat�rliche Gr��e abgibt. Die Krise bei den Holtzbrinck-Verlagen liefert auch daf�r den Beweis.
Geschenk von unsch�tzbarem Wert
Frankfurt. Eine au�ergew�hnliche Stiftung machte jetzt J�rgen Schmidt-Voigt (83) dem Ikonen Museum: 500 B�cher seiner Privatbibliothek, alles Fachliteratur zum Thema Ikonen, alle B�nde erstklassig erhalten, darunter etliche wundersch�ne bibliophile Ausgaben. "Eine gro�artige Bereicherung f�r unsere Bibliothek", freute sich Richard Zacharuk, Leiter des Museums. Zahlreiche B�cher seien in russischer Sprache verfasst und schon deshalb von unsch�tzbarem Wert, weil sie im Buchhandel nicht erh�ltlich seien. Mit diesen "wunderbaren Bildb�nden" habe sich Schmidt-Voigt von seinem gesamten Bestand Ikonen-Literatur getrennt. In der Bibliothek des Ikonen-Museums, laut Zacharuk "keine Pr�senzbibliothek", k�men vorwiegend Kunsthistorikern die gestifteten B�cher zugute: "Aus wissenschaftlicher Sicht eine gro�e Bereicherung." Die j�ngste Stiftung Schmidt-Voigts umfasst auch eine Diathek mit etlichen hundert Lichtbildern. Zacharuk: "Eine hochspezielle Sammlung ausschlie�lich f�r wissenschaftliche Zwecke." Auch die Ikonen-Sammlung selbst, Herzst�ck des vor zehn Jahren er�ffneten Museums in der Br�ckenstra�e, ist eine Stiftung von Schmidt-Voigt. J�hrlich kommen 10 000 Besucher. Au�er Frankfurt hat noch Recklinghausen ein Ikonen-Museum.
Bundesrat stoppt Verbraucherschutz bei Internetgesch�ften
Die L�nderkammer hat einen Gesetzentwurf zur Verbesserung des Verbraucherschutzes bei Bestellungen im Internet �berraschend gestoppt. Der Entwurf mu� nun in den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat. Die L�nder dringen darauf, f�r den Buchhandel eine Ausnahme von der vorgesehenen Regelung zu schaffen, dass Verbraucher Warensendungen innerhalb von 14 Tagen auf Kosten des Anbieters zur�ckschicken k�nnen. F�r den Buchhandel soll die Regelung nach dem Willen der L�nder nur bei einer entsprechenden vertraglichen Vereinbarung mit dem K�ufer gelten.
Der Bundesrat begr�ndete seine Bedenken damit, dass schon heute die R�cksendequote beim Buchhandel zwischen f�nf und zehn Prozent betrage. Bei einer weiteren Belastung mit den R�cksendekosten w�re dies f�r den mittelst�ndischen Buchhandel nicht verkraftbar.
Der Gesetzentwurf, der nun noch einmal �berarbeitet werden muss, r�umt Verbrauchern zudem das Recht ein, einen Vertragsabschluss bei E-Commerce-Gesch�ften innerhalb von sieben Tagen zu widerrufen. Die Anbieter m�ssen zudem �ber ihre Identit�t, ihre Leistungen und ihre Lieferbedingungen umfassend informieren. Den Verbraucherverb�nden wird ein Klagerecht einger�umt.
Bei Haust�rgesch�ften, Kaffee-Fahrten, Verbraucherkrediten und Zeitschriftenabonnements soll k�nftig ebenfalls eine Widerspruchsfrist von 14 Tagen gelten. Wenn Dritte bei E-Commerce-Gesch�ften die Daten von Geldkarten missbrauchen, sollen die Banken haften.
Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverb�nde hatte das Gesetz als "ganz erheblichen Durchbruch" zum Schutz der Konsumenten begr��t. Nach dem Vermittlungsverfahren m�ssen Bundestag und Bundesrat erneut �ber den Gesetzentwurf abstimmen.
B�rsenverein will Buchpreisbindung
Der Vorsteher des B�rsenvereins des Deutschen Buchhandels, Roland Ulmer, hat erneut die Buchpreisbindung verteidigt. Auf der 173. Hauptversammlung des B�rsenvereins am Samstag in Leipzig sagte Ulmer, dieses Instrument stelle f�r den Buchhandel die optimalen Rahmenbedingungen dar. Die Preisbindung enge nicht ein, sondern halte den Markt flexibel und sichere den Wettbewerb.
Auf den Buchh�ndlertagen 2000 in Leipzig feiern rund 1 200 Verleger und Buchh�ndler noch bis Sonntag die Gr�ndung des B�rsenvereins in der Messestadt vor 175 Jahren.
Die EU-Wettbewerbskommission in Br�ssel hatte Einw�nde gegen die grenz�berschreitende Wirkung der Regelung im Handel mit �sterreich, die angeblich den freien Wettbewerb beschr�nke. Nach langem Ringen wurde Anfang 2000 ein Kompromiss ausgehandelt, der neue nationale Regelungen vorsieht. Nach Ansicht Ulmers ist die Preisbindung ein unver�ndert zeitgem��es Instrument, um dem Buchmarkt Vielfalt und Vitalit�t zu sichern. "Die Preisbindung sch�tzt nicht vor Wettbewerb, sondern sie sch�tzt den Wettbewerb", sagte Ulmer. Mit ihrer Hilfe seien auch kleinere und mittlere Buchhandlungen und Verlage in der Lage, den Wettbewerb aufzunehmen.
Ulmer forderte seinen Verband auf, sich neuen Perspektiven und Berufsfeldern zu �ffnen. "Wir m�ssen zum Beispiel daf�r sorgen, dass der Multimedia-Bereich, so weit es um die Vermittlungen von Inhalten geht, im B�rsenverein vertreten ist, auch wenn die Anbieter keine typischen Verlage sind", erkl�rte der Vorsteher. Nach Einsch�tzung des Verlegers Florian Langenscheidt wird im Jahr 2003 voraussichtlich zehn Prozent des Buchumsatzes �bers Internet gemacht. Im vergangenen Jahr sei etwa ein Prozent der B�cher in Deutschland gemessen am Gesamtmarkt �ber das Netz vertrieben worden, im laufenden Jahr werde dieser Anteil auf 2,5 Prozent wachsen. Insgesamt hatte die Branche 1999 einen Umsatz von knapp 18 Milliarden Mark erzielt.
Zu Beginn der Hauptversammlung wurde der Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Lothar M�ller, mit dem mit 10 000 Mark dotierten Alfred-Kerr-Preis f�r Literaturkritik ausgezeichnet. In der Begr�ndung der Jury hie� es, der 45-j�hrige M�ller werde f�r seine sensible und kundige Vermittlung alter und neuer Literatur ausgezeichnet. Der vom B�rsenblatt gestiftete Preis wird seit 1977 vergeben. Bis 1995 ging er an einen Literaturteil einer deutschsprachigen Zeitung oder Zeitschrift, eines deutschsprachigen H�rfunk- oder Fernsehprogramms. Seit 1996 wird eine Person ausgezeichnet.
Mit der h�chsten Ehrung des B�rsenvereins, der Ehrenmitgliedschaft, w�rdigte der Verband das Engagement von Gerhard Kurtze, der von 1992 bis 1998 Vorsteher des Verbands war. Kurtze habe sich in selbstloser Weise f�r die Sache des Buches und den Berufsstand eingesetzt.
G�nther Grass er�ffnet ersten Pen-Weltkongress in Russland
Literarische Premiere in Moskau
Wortgewaltig und unmi�verst�ndlich hat G�nther Grass zum Auftakt des 67. Weltkongresses des internationalen Pen-Clubs Russlands "Kriegsverbrechen" in Tschetschenien verurteilt. Der Literaturnobelpreistr�ger forderte ein Ende des Krieges und eine Untersuchung durch die Vereinten Nationen. "Wir treffen uns in einem Land, in dem die Gro�macht Russland Krieg gegen ein kleines Volk, die Tschetschenen, f�hrt - wiederum ohne Einsehen und ohne Erbarmen", sagte Grass bei der Er�ffnung Kongresses.
Grass zog Parallelen zum V�lkermord w�hrend des Ersten Weltkrieges, als die T�rken Hunderttausende von Armeniern in den Tod getrieben h�tten. Damals habe Franz Werfel in seinem Buch "Vierzig Tage des Musa Dagh" einen Bericht geliefert, der sich gegen alle Vertuschungsversuche der t�rkischen Regierung durchgesetzt habe. Sollte eine internationale Untersuchungskommission nicht zustande kommen, "wird eines Tages, wenn nicht ein tschetschenischer Schriftsteller, dann stellvertretend ein russischer Schriftsteller vom Leid der Tschetschenen Bericht geben wie einst Franz Werfel". Ob George Orwell und Primo Levi, Imre Kertesz und Alexander Solschenizyn, Thomas Mann und Pablo Neruda: "Zu allen Zeiten waren es Schriftsteller, die Zeugnis abgelegt haben - auch wenn sie meistens in den Wind gesprochen haben", meinte Grass.
Homero Aridjis, der mexikanische Pr�sident des Pen-Clubs, betonte, dass sich der in der Sowjetunion verbotene Pen zum ersten Mal �berhaupt in Moskau treffe. Mit der Moskauer Tagung wolle man den russischen Pen-Club bei seiner "mutigen Verteidigung der Meinungsfreiheit verteidigen". Auch in Russland habe es im vergangenen Jahr "wichtige Siege" f�r die Meinungsfreiheit gegeben. Mit Foren �ber das Verh�ltnis zwischen Russland und Europa oder die Rolle der Literatur in verschiedenen Regimen werden die 380 in Moskau versammelten Schriftsteller bis zum Samstag weiterdiskutieren.
Das Interesse russischer Medien ist gering: Nur eine Handvoll liberaler Zeitungen berichteten vorab knapp �ber die Themen des jedermann zug�nglichen Kongresses. Von zw�lf Fernsehkameras bei den Er�ffnungsreden geh�rten mehr als die H�lfte ausl�ndischen Fernsehanstalten.
Ein Zeichen der Hoffnung
Friedenspreis des deutschen Buchhandels f�r die Algerierin Assia Djebar
In ihrem Leben verlief nichts normal. Und so war der Weg von Assia Djebar zu einer der bedeutendsten und vielseitigsten Schriftstellerinnen der islamischen Welt durch die ungew�hnlichen Umst�nde ihres Werdegangs schon fast vorgezeichnet.
Die Algerierin, die im Oktober den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegen nehmen wird, gilt in ihrem Land als Symbol weiblicher Emanzipation. Die 63-J�hrige ver�ffentlichte zahlreiche Romane, arbeitete aber auch viel f�r Theater, Film und Fernsehen. In ihren Werken setzte sie sich immer wieder mit der Rolle der Frauen in der arabischen Welt auseinander.
Viel verdankt die 1936 in Cherchell bei Algier als Fatima-Zohra Imalayene geborene K�nstlerin ihrem Vater. Dieser erm�glichte ihr nach der Grundschule den Besuch des Gymnasiums - f�r M�dchen damals etwas ganz Ungew�hnliches. 1952 machte sie in Blida Abitur. 1955 wurde sie als erste Algerierin an der franz�sischen Elitehochschule Ecole Normale Superieure (ENS) bei Paris zugelassen.
Weil sie sich an den Streiks algerischer Studenten f�r die Unabh�ngigkeit ihrer Heimat beteiligte, wurde Djebar 1957 aus der ENS ausgeschlossen. Gleichzeitig ver�ffentlichte sie ihren ersten Roman "La Soif" (in Deutschland unter dem Titel "Die Zweifelnde" erschienen) - eine Liebesgeschichte, die die junge Frau mit einem Schlag ber�hmt machte. Ein Jahr sp�ter heiratete sie und ging mit ihrem Mann nach Tunis, wo sie das Studium beendete und ihr Examen als Historikerin machte.
Inzwischen war auch ihr zweites Buch erschienen - "Les impatients" ("Die Ungeduldigen"), die Geschichte einer jungen Frau vor dem Hintergrund des Unabh�ngigkeitskriegs. Es folgten eine Reihe anderer Romane, bis sich Djebar Ende der 60er Jahre eine zehnj�hrige Schreibpause verordnete. In dieser Zeit widmete sich die K�nstlerin anderen Ausdrucksformen - dem Theater zum Beispiel und dem Film.
Auch stand bei ihr die Besch�ftigung mit der Frage im Mittelpunkt, wie die Frauen der arabischen Welt eine selbstbestimmte Rolle spielen k�nnen.
Von 1965 an pendelte Djebar zwischen Paris und Algier, bis sie 1980 - nach dem Scheitern ihrer Ehe und einer zweiten Heirat - endg�ltig in die franz�sische Hauptstadt �bersiedelte. 1977 entstand nach langen Aufenthalten bei der Volksgruppe ihrer Mutter der Film "La Nouba des femmes du Mont Chenoua" (Die Nouba der Frauen vom Berg Chenoua), f�r den sie 1979 in Venedig den Internationalen Kritikerpreis erhielt.
Mit der Ver�ffentlichung des Erz�hlbandes "Femmes d'Alger dans leur appartement" ("Die Frauen von Algier") begann 1980 f�r Djebar eine neue Phase des Schreibens. Sie hatte w�hrend ihrer Pause in den 70er Jahren damit begonnen, klassisches Arabisch zu studieren und integrierte dessen Stilelemente nun in ihre neuen B�cher. Inhaltlich verbindet sie seitdem st�rker die Geschichte und Entwicklung Algeriens mit der Rolle der Frauen.
1985 erschien der erste Band einer von ihr geplanten Tetralogie �ber die Geschichte des Maghreb, "L'amour, la fantasia" ("Fantasia"). Das Projekt brach sie Ende der 80er Jahre nach Erscheinen des zweiten Bandes "Ombre Sultane" ("Die Schattenk�nigin") unter dem Eindruck des wachsenden Fundamentalismus in ihrer Heimat ab. Dieser pr�gt seitdem ihre Arbeiten - ob Roman oder Essay. "Sie hat mit ihrem Werk ein Zeichen der Hoffnung gesetzt f�r die demokratische Erneuerung Algeriens, f�r den inneren Frieden in ihrer Heimat und f�r die Verst�ndigung zwischen den Kulturen", begr�ndete der B�rsenverein des Deutschen Buchhandels seine diesj�hrige Wahl.
Die Auszeichnung ist eine der bedeutendsten in Deutschland. Djebar wird erst die zweite Tr�gerin des Friedenspreises, die vom afrikanischen Kontinent stammt. 1968 war der senegalesische Politiker und Dichter Leopold Sedar Senghor mit dem Preis geehrt worden.
Die Schriftstellerin, die sich derzeit in Italien aufh�lt, reagierte auf die Nachricht nach den Worten von B�rsenvereins-Vorsteher Roland Ulmer mit den Worten: "Es ist begl�ckend nicht nur f�r mich, sondern auch f�r mein Volk."
![]()
Anfragen und Bestellungen bitte an das
| Startseite | Aktuelle Angebote | Kataloge + Listen | Unsere Suchmaschine | Steeler Antiquariat | Ihr Suchwunsch | Inhalt |
(Letzte �nderung erfolgte am 24. Mai 2000)