Das INTERNETANTIQUARIAT.com im Steeler Antiquariat


 

Aktuelle Presseartikel zu Buchhandel + Literatur
- Juni 2000 -

(Eine Auswahl des INTERNETANTIQUARIAT.com)


Literaten-WGs im Internet und ihre Besucher

J�ger bedruckter Sch�tze. Surfen durchs virtuelle Antiquariat birgt Suchtgefahren

K�nigsberger Bibliothek soll virtuell wiederbelebt werden

Sprachvirtuose Ernst Jandl in Wien gestorben

"rororo"-Taschenb�cher feiern ihren 50. Geburtstag

Kostbare Pferdeb�cher unterm Hammer

Jules-Verne-Roman erscheint im Original

Geburtstag bei Stifter

Zum 125. Geburtstag Thomas Manns: Neues Buddenbrookhaus wird heute er�ffnet

Online-Buchhandel in den USA verdreifacht sein Volumen

Startschuss f�r erstes elektronisches Buch in Deutschland


Startschuss f�r erstes elektronisches Buch in Deutschland

Der Bertelsmann Online-Buchhandel BOL und die kalifornische Firma NovoMedia haben am Dienstag den Startschuss f�r den Verkauf des ersten elektronischen Buches in Deutschland gegeben. K�nftig soll das �Rocket eBook�, das in den USA bereits seit einem Jahr im Handel ist, zun�chst exklusiv �ber den Internet-Buchhandel von Bertelsmann vertrieben werden.

�Mit Unterst�tzung von rund 50 Verlagen k�nnen wir heute 500 deutschsprachige Titel f�r das Rocket eBook in unserem Online-Buchhandel zum Herunterladen anbieten�, sagte Eckhard S�dmersen, Gesch�ftsf�hrer von BOL Medien am Dienstag in Hamburg. Das Ger�t soll zusammen mit drei B�chern rund 675 Mark kosten.

Das elektronische Buch besitzt ein hochaufl�sendes Display und ist etwa so gro� und so schwer wie ein Taschenbuch. In seinem Speicher kann es derzeit rund 50 Romane mit je 400 Seiten fassen. Auch f�r den Urheberrechtsschutz soll ausreichend gesorgt sein. Jedes eBook hat eine ger�teeigene Identit�tsnummer, f�r die das verschl�sselte Datenpaket des bestellten und heruntergeladenen Buches freigeschaltet werden muss. �Damit ist gew�hrleistet, dass es kein Sicherheitsloch f�r den Urheberrechtsschutz wie bei PCs und dem Internet gibt�, sagte Hermann Salmen, Gesch�ftsf�hrer von NovoMedia. �Wir werden und wollen dem Buch keine Konkurrenz machen, aber in vielen F�llen liegt der Vorteil des eBooks auf der Hand�, sagte Salmen. Viele B�cher passten mit ihm bequem in eine Reisetasche. Tageszeitungen wie die �Financial Times Deutschland� und die �Neue Z�rcher Zeitung� k�nnten t�glich auf das Rocket eBook kostenlos heruntergeladen werden. �Nach den ersten Erfolgen mit digitalen Romanen in den USA erwarten wir, dass es auch f�r den deutschen Markt Vorabversionen oder exklusive eBook- Ver�ffentlichungen geben wird�, sagte Salmen.

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Online-Buchhandel in den USA verdreifacht sein Volumen

Im vergangenen Jahr hat sich das Onlinegesch�ft des US-amerikanischen Buchhandels verdreifacht. Insgsamt wurden 1999 rund 5,4 Prozent aller B�cher �ber das Internet gekauft. Das hat das amerikanische Marketinginstitut NPD festgestellt. Wie Computerchannel.de weiter meldet, ging der Umsatz von B�cherclubs und traditionellen Buchh�ndlern zur�ck, was besonders die unabh�ngigen Buchh�ndler traf.

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Spaziergang in einem Roman.
Zum 125. Geburtstag Thomas Manns: Neues Buddenbrookhaus wird heute er�ffnet

Monate haben im Buddenbrookhaus zu L�beck die Handwerker regiert. Aus dem eher langweiligen Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum wurde ein lebendiges Literaturhaus. Heute, rechtzeitig zum 125. Geburtstag Thomas Manns, wird das Literaturmuseum in Anwesenheit von Bundespr�sident Johannes Rau wiederer�ffnet. "Es gibt kein zweites Haus wie dieses, denn kein Roman ist so sehr auf eine Stadt und ein einziges Haus bezogen, wie ,Buddenbrooks'", sagt der Leiter des Hauses, Hans Wi�kirchen. Etwa f�nf Millionen Mark haben die Kulturstiftung der Hansestadt L�beck, Land, Bund und private F�rderer in den Umbau des Geb�udes investiert, das erst 1993 als Literaturhaus er�ffnet worden war.

Das alte, nur auf die Br�der Heinrich und Thomas Mann bezogene Konzept hatte sich bald als zu wissenschaftlich erwiesen. "Mit dem neuen Haus wollen wir Literatur zum Anfassen pr�sentieren", erl�utert Wi�kirchen, "Thomas Mann hat schlie�lich �ber sich selbst gesagt, er habe immer zugleich f�r die Wenigen und die Vielen geschrieben."

Begreifbar im wahren Sinn des Wortes wird das Konzept des Literaturhauses im ersten Stock. Dort, in der Beletage des alten Kaufmannshauses, das von 1758 bis 1891 im Besitz der Familie Mann war, wurden das Landschaftszimmer, das G�tterzimmer und die S�ulenhalle rekonstruiert. In diesen drei R�umen spielen zentrale Szenen in Thomas Manns Erstlingsroman "Buddenbrooks", der Aufstieg und Fall einer Kaufmannsfamilie schildert und bei seinem Erscheinen im Jahr 1900 in der L�becker Gesellschaft einigen Aufruhr ausl�ste. "Wir haben hier einen begehbaren Roman geschaffen, der Besucher kann mit dem Buch in der Hand durch die R�ume gehen und wird alles genau so vorfinden, wie Thomas Mann es geschildert hat", verspricht Wi�kirchen. Mit einer Einschr�nkung: Eine der dargestellten Szenen gibt es im Roman nicht. Der endet mit den Pl�nen f�r den Verkauf des Hauses in der Mengstra�e. "Wir zeigen die Fortsetz ung, die Nacht vor dem Auszug der Familie Buddenbrook", sagt der Literaturhaus-Leiter. Um die "Romanr�ume" ranken sich zwei gro�e Dauerausstellungen zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Werkes und zum literarischen Gesamtschaffen der gro�en Familie Mann. Ein wissenschaftliches Archiv ist ebenso vorhanden wie ein Museumsshop mit allen Werken der Schriftsteller-Familie, und im Zwischengeschoss k�nnen Lesungen ebenso stattfinden wie literarische Bankette, f�r die es bereits erste Vormerkungen gibt. Sp�testens dort zeigt sich, dass das neue Buddenbrookhaus Literatur auch zu einem sinnlichen Erlebnis machen will.

Informationen: Buddenbrookhaus, L�beck, Mengstr. 4, �ffnungszeiten bis 11. 6. 10 bis 22 Uhr, 12. 6. - 31. 10. Sa. bis Do. 10 bis 18 Uhr, Fr. 10 bis 21 Uhr.

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Geburtstag bei Stifter

Wo Adalbert Stifter von 1848 bis zu seinem Tod im Jahr 1868 in Linz wohnte, ist weltweit bekannt: im Haus Adalbert-Stifter-Platz 1, 4020 Linz. Das wei� man zwischen Tokio und Toronto, von Schweden bis Simbabwe - �berall, wo Germanistik im Allgemeinen und Adalbert Stifter im Besonderen Studiengegenstand sind. Weniger bekannt ist, dass diese weltbekannte Anlaufstelle und auch musterg�ltig gestaltete Stifter-Gedenkst�tte mit lebhaftem Literatur-Gegenwartsbezug schon in Gefahr war, abgerissen zu werden, um den Schnellverkehr am s�dlichen Donauufer zu erleichtern. Daraus wurde gl�cklicherweise nichts. Deshalb blieb das vom damaligen Landeshauptmann Heinrich Glei�ner am 3. Juni 1950 begr�ndete "Landesinstitut f�r Stifterforschung" erhalten und wurde 1983 von dem amtierenden Landeshauptmann Ratzenb�ck erweitert um die Aufgaben Literaturgeschichte und Literatur des Landes Ober�sterreich. Seit damals steht das ganze Haus diesen Aufgaben samt Dichterarchiv und - als j�ngstes Aufgabengebiet - Erarbeitungsstelle f�r den Sprachatlas von Ober�sterreich (Abschluss voraussichtlich 2010) zur Verf�gung.

Hochkar�tig gestaltete Literatur-Vermittlungsreihen und die methodische Verkn�pfung von Literatur und Bildender Kunst lie�en das Haus (zehn Mitarbeiter) zu einem starken Magneten f�r alle Literaturinteressierten werden. Landeshauptmann P�hringer betonte anl�sslich des 50. Geburtstags der Zweckwidmung den Mut fr�herer Landes- und Stadtpolitiker, die kulturstrukturellen Fernblick bewiesen (auch Beispiel Brucknerhaus).

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Jules-Verne-Roman erscheint im Original

Mit fast 100-j�hriger Versp�tung wird die urspr�ngliche Fassung des Romans "Die sch�ne gelbe Donau" in Frankreich ver�ffentlicht.

"Die Worte kommen mir nicht mehr", klagte Jules Verne, der Vater der Science-Fiction-Literatur, in seiner letzten Schaffensphase immer h�ufiger. Sein Sohn Michel und Vernes Verleger Pierre-Jules Hetzel halfen da nach. Nach dem Tod des franz�sischen Schriftstellers im Jahr 1905 schrieben sie viele der Manuskripte, die der zuletzt fast blinde Vision�r hinterlassen hatte, einfach um. 1978 deckte der Philologe Piero Gondolo della Riva den Schwindel auf. Im Verlagsarchiv fand er die urspr�ngliche Fassung des Werks "Die sch�ne gelbe Donau". Wie daraufhin deutlich wurde, hatte der Sohn auf Dr�ngen des gesch�ftst�chtigen Verlegers, der sich �ber den "melodramatischen" Stil von Verne oft �rgerte, das 1901 verfasste Manuskript in seinem Sinn umgeschrieben.

Das gleiche Schicksal ereilte auch Vernes Werk "La M�gallanie". Der Abenteuerroman, der in Feuerland spielt, kam 1998 erstmals im franz�sischen Originaltext heraus. Der Schriftsteller hatte das Manuskript seinem Sohn hinterlassen, der wieder 25 Kapitel hinzuf�gte. Das Buch erschien 1909 unter dem Titel "Les naufrages du Jonathan" (Der Schiffbruch der Jonathan). Die enormen Abweichungen vom Original hatte wiederum Piero Gondolo della Riva festgestellt. Der Italiener sp�rte aber auch g�nzlich unbekannte Manuskripte von Verne auf. In "Paris im 20. Jahrhundert", 1863 von dem Schriftsteller verfasst, wird das Paris des Jahres 1960 skizziert. Mit den Worten "Sie spinnen!" soll Hetzel damals den d�steren Pessimismus seines Autors verworfen haben. Nach dem Tod Jules Vernes stand der Roman zwar auf der von seinem Sohn Michel angelegten Liste unver�ffentlichter Manuskripte, war jedoch spurlos verschwunden.

Erst Anfang der neunziger Jahre tauchte es in einem Safe von Michel Verne wieder auf. Der Italiener gab den Roman 1994 erstmals heraus. 1997 stellte der unerm�dliche Forscher beim zweiten internationalen Jules-Verne-Treffen in Amiens erneut ein unbekanntes Manuskript vor, das Werk "Joyeuses mis�res de trois voyageurs en Scandinavie" (Fr�hliches Leiden von drei Reisenden in Skandinavien). Bei dem nur zw�lf Seiten langen Text handelt es sich um ein autobiografisches Fragment, das Verne 1861 verfasste. In dem Text geht es um eine Nordlandreise mit seinem Freund Aristide Hignard. "Wir entdecken immer wieder Neues von Jules Verne. Das ist eine Welt in der Welt", erkl�rte seinerzeit Piero Gondolo della Riva, "jetzt gibt es aber keine vollst�ndigen unver�ffentlichten Manuskripte mehr aufzusp�ren, sondern nur noch pers�nliche Aufzeichnungen."

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Kostbare Pferdeb�cher unterm Hammer

Das Braunschweiger Antiquariat Klittich-Pfankuch versteigert 2500 seltene Pferdeb�cher - kostbare Rarit�ten eines verstorbenen Hamburger Sammlers.

Das Thema Pferde k�nnte nieders�chsischer nicht sein, unter Fachleuten d�rfte es aber international Beachtung finden: Bei der Versteigerung am 23. und 24. Juni erwartet das Auktionshaus Interessenten aus vielen europ�ischen L�ndern und den USA.

Dass die B�cher in Braunschweig unter den Hammer kommen, ist das Ergebnis eines Zufalls. Als die Erben die Sammlung des verstorbenen Pferdeliebhabers sortierten und �ber Verkaufsm�glichkeiten gr�belten, fanden sie zwischen den B�chern einen �lteren Katalog von Klittich-Pfankuch. "Und da haben sie sich direkt an uns gewandt", berichtet Roger Klittich stolz.

Die Entscheidung, die Auktion zu �bernehmen, fiel dem Antiquar nicht schwer. Unter den B�chern befinden sich etliche gefragte Rarit�ten. Dazu z�hlen die 184 B�nde des "Wallace's Year Book", die l�ckenlos die Aktivit�ten der US-amerikanischen Gest�te in der Zeit zwischen 1871 und 1996 dokumentieren.

Eine echte Kuriosit�t ist ein Libretto von Francesco Sbarra. Es handelt sich um den Text jener Oper, die zur Hochzeit Kaiser Leopolds I. im Jahre 1667 uraufgef�hrt wurde und zu der ein gro�es Pferdeballett geh�rt. Auch die 1700 erschienene deutsch-franz�sische Ausgabe von Jacques de Solleysels "Der vollkommene Stall-Meister" d�rfte Liebhaber finden. Ebenso neun wundersch�n ausgestattete, hervorragend erhaltene B�nde des amerikanischen Hengstbuches aus dem 19. Jahrhundert.

Die Auktion beschr�nkt sich aber nicht auf die Hamburger B�cher. Auch andere Objekte mit Pferdemotiven werden versteigert. Im Angebot sind Gem�lde, Grafiken, Ikonen, Elfenbeinschnitzereien und eine 60 Zentimeter hohe Bronzestatue. Am Samstag erkl�rt Fachautor Gerhard Zeuschner die Bedeutung antiquarischer B�cher f�r Pferdefreunde.

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rororo-Taschenb�cher feiern ihren 50. Geburtstag

Es war eine Revolution f�r den deutschen Buchmarkt: Als am 17. Juni 1950 die ersten B�nde der Reihe "rororo" erschienen, schlug die Geburtsstunde des modernen Taschenbuchs. Vorbild waren die amerikanischen "pocket-books". Deren Massenproduktion hatte Ernst Rowohlts Sohn Heinrich Maria Ledig zuvor in New York studiert. Hans Falladas "Kleiner Mann - was nun?", Graham Greenes "Am Abgrund des Lebens", Rudyard Kiplings "Dschungelbuch" und Kurt Tucholskys "Schloss Gripsholm" druckten die Verleger in einer Auflage von 50 000 Exemplaren, die sie dem lesehungrigen Nachkriegs-Publikum f�r 1,50 Mark pro St�ck anboten.

Vorl�ufer der ersten Taschenb�cher waren "Rowohlts Rotations Romane", gro�formatige Zeitungsdrucke, die seit 1946 in Hamburg erschienen. "Aus der Not eine Tugend, aus der Verarmung Reichtum, aus dem Mangel neue F�lle zu gewinnen, das ist der Versuch, den wir mit den Rotationsromanen unternehmen", sagte Ernst Rowohlt damals. Sein Verlagshaus hatte er 1908 in Leipzig begr�ndet.

Zwar hatte schon Anton Philipp Reclam 1867 mit der Universal-Bibliothek eine Taschenbuch-Reihe geschaffen, allerdings mit ausschlie�lich klassischen Werken. Rowohlts "rororo"-B�cher verbreiteten neueste und von den Nazis verbotene Literatur nach dem Krieg. Noch heute ist der Taschenbuch-Verlag bei Rowohlt das mit Abstand gr��te Gesch�ftsgebiet.

Die Gr�nde f�r die enorme Popularit�t der Reihe liegen auf der Hand: "rororo" stillte den Bildungshunger breiter Leserschichten, machte von den Nazis verbotene Autoren wieder zug�nglich und war wegen der geringen Herstellungskosten auch f�r die wissbegierige Jugend erschwinglich. Gegen die Aufnahme zweier Werbeseiten pro Taschenbuch, diese "geschmacklose und kulturwidrige Reklame", protestierten einige Leser zun�chst - doch der niedrige Verkaufspreis war als Argument unschlagbar. Ein Jahr nach dem Start hatte die Gesamtauflage der Reihe eine Million erreicht, 1954 waren bereits zehn Millionen B�nde erschienen.

Wissenschaftlich orientierte Reihen erg�nzten das belletristische Programm: eine "Deutsche Enzyklop�die" (seit 1955), "Klassiker der Literatur und der Wissenschaft" (seit 1957), "Monografien" (seit 1958). Zum Forum der Studentenbewegung wurde die seit Beginn der 60er Jahre erscheinende Reihe "rororo aktuell". Es folgten Thriller, Theaterst�cke, Reihen �ber Sprachen, Computer und Medizin - bis heute erschienen 15 000 B�nde mit einer Gesamtauflage von 525 Millionen.

Dennoch schreibt auch der traditionsreiche Rowohlt-Verlag rote Zahlen und sucht mit Hilfe von Unternehmensberatern nach Auswegen aus der Misere. Bei einem Umsatz von 100 Millionen Mark soll die Unternehmensgruppe 1999 zehn Millionen Mark Verlust gemacht haben. "Wir haben die Ver�nderung der Medienform Buch in einer gewandelten Welt nicht schnell genug mit vollzogen", r�umte Gesch�ftsf�hrer Nikolaus Hansen ein. "Es ist sehr viel schwieriger geworden, mit B�chern Geld zu verdienen."

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Sprachvirtuose Ernst Jandl in Wien gestorben

Wien - Der �sterreichische Lyriker, H�rspiel- und Dramenautor Ernst Jandl ist Medienberichten zufolge am Freitagabend in der Wien gestorben. Wie Franz-Leo Popp von der Litera Mechana der �sterreichischen Nachrichtenagentur APA mitteilte, erlag Jandl kurz vor seinem 75. Geburtstag einem Herzleiden.

Nach einem Germanistik- und Anglistikstudium war Jandl in Wien ab 1949 langj�hrig als Gymnasiallehrer t�tig, h�ufig beurlaubt mit R�cksicht auf seine dichterische Arbeit. Sein erster, noch konventionellerer Gedichtband �Andere Augen� erschien 1956.

Beeindruckt von den Sprachexperimenten der �Wiener Gruppe�, aber auch der angels�chsischen Literatur, vor allem von James Joyce, entwickelte er ein Werk, das ihn zum Hauptvertreter der �Konkreten Poesie� werden lie� und das einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung deutschsprachiger Literatur gewinnen sollte. �Hosi-anna� (1965), �Laut und Luise� (1966), �sprechblasen� (1968), �der k�nstliche Baum�, �die bearbeitung der m�tze� (1978), �der gelbe hund� (1980), �selbstportr�t des schachspielers als trinkende uhr� (1983), �idyllen� (1989) sind seine bekanntesten Gedichtb�nde.

Zu seinem 60. Geburtstag 1985 hatte der Luchterhand-Verlag eine dreib�ndige Werkausgabe herausgebracht. Jandl hatte vier verschiedene Grundarten seiner Gedichte definiert: �Das Gedicht in nahezu Alltagssprache; das Stimme verlangende Sprechgedicht; das laute wortlose Lautgedicht; das stille visuelle Gedicht�.

Kein Wunder, dass durch Jandls Erforschung der Laut-Dimension der Sprache das H�rspiel revolution�re Impulse erhielt und eine Reihe Schallplatten erschienen. Erfolge als Dramatiker bescherte ihm seine zur G�nze im Konjunktiv verfasste Sprechoper �Aus der Fremde�.

Seit 1954 arbeitete er auch immer wieder mit seiner Kollegin und Gef�hrtin Friederike Mayr�cker zusammen. Sein �Markenzeichen�, W�rter zu vertauschen, zu zerlegen, Buchstaben auszulassen, Silben wegzulassen, fand nicht immer den Beifall der Kritiker. Dazu der Dichter:

Es gehe ihm darum, �m�glichst viele Wege aufzumachen�. Ernst Jandl war unter anderem Tr�ger des Gro�en �sterreichischen Staatspreises, des Georg-B�chner-Preises, des M�hlheimer Dramatikerpreises, des Georg-Trakl-Preises, des Frankfurter H�rspielpreises, des Deutschen Kleinkunstpreises und des Peter-Huchel-Preises.

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K�nigsberger Bibliothek soll virtuell wiederbelebt werden

Der lange verschollen geglaubte K�nigsberger Bibliotheksschatz soll nach Pl�nen von nieders�chsischen Kulturforschern zu einem Gro�teil in etwa sechs Jahren im Internet greifbar sein. "Wir sind dabei, einen virtuellen Katalog der vor allem �ber osteurop�ische Bibliotheken verstreuten Altdrucke bis 1800 f�r das Internet zusammenzustellen", sagte der Direktor des Instituts f�r Kulturgeschichte der fr�hen Neuzeit an der Universit�t Osnabr�ck, Prof. Klaus Garber.

Die laut Garber bedeutendste Adelsbibliothek Altpreu�ens, die von Wallenrodtsche Bibliothek, soll per Mikrofilm in vollem Textbestand f�r jeden zug�nglich sein.

Garber, der seit mehr als 20 Jahren im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in europ�ischen Bibliotheken nach deutscher Barockliteratur fahndet, fand bei seinen Recherchen immer wieder B�cher aus der legend�ren K�nigsberger Bibliothekenlandschaft. Die fr�here Hauptstadt der preu�ischen K�nige, das heute russische Kaliningrad, wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollst�ndig zerst�rt und mit ihm die Staats- und Universit�ts- sowie die Stadtbibliothek.

"Heute wei� man dank der Forschungen deutscher, polnischer, litauischer und russischer Wissenschaftler, dass die wertvollen Handschriften und Altdruckbest�nde nicht alle f�r immer verloren sind, berichtet der Institutsleiter. "Zun�chst entdeckte ich in Warschau und Thorn K�nigsberger B�cher", berichtet er. Auch in der litauischen Universit�tsstadt Vilnius, in Moskau und St. Petersburg stie� Garber auf K�nigsberger B�cher und Drucke vom 16. bis 18. Jahrhundert. "Die zumeist in Leder eingebundenen B�nde sind in tadellosem Zustand", lobt der Wissenschaftler die osteurop�ischen Bibliothekare. Andere wurden gerade wegen ihres Einbands im Krieg zerst�rt - "Leder wurde f�r Schuhe und Riemen gebraucht".

Da es niemals gelingen werde, die erhaltenen B�cher wieder an einem Ort zusammenzubekommen, wollen die Osnabr�cker Wissenschaftler den Katalog der fr�heren K�nigsberger Bibliothek wenigstens unter einer www.-Adresse im Internet auferstehen lassen. Die Wallenrodtsche Adelsbibliothek und die so genannte Gottholdsche Musikbibliothek mit insgesamt mehr als 50 000 B�nden - pro Band in Einzelf�llen mit bis zu 200 Drucken und Schriften - sollen eine kulturgeschichtliche Einordnung erm�glichen. Noch l�ngst seien nicht alle Titel wiederentdeckt und viele blieben wohl verschwunden, bef�rchtet Garber. Doch in Kiew, Eriwan und Nowosibirsk vermutet er weitere Zeitzeugen der preu�ischen Hochkultur: "Es ist wie ein Puzzle."

Insgesamt sechs Forschungsvorhaben widmet die Uni Osnabr�ck in Zusammenarbeit mit den Universit�ten in Marburg und Oldenburg der Wiedererstehung des K�nigsberger B�cher- und Handschriftenschatzes. Bislang seien F�rdergelder von insgesamt 1,8 Millionen DM, darunter von der ZEIT-Stiftung und der Marga und Kurt M�llgaard-Stiftung, zugesagt worden.

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J�ger bedruckter Sch�tze. Surfen durchs virtuelle Antiquariat birgt Suchtgefahren

Auch Franz Kafka h�tte es wahrscheinlich gerne getan. Der aber reiste h�ufig beruflich durch das K�nigreich B�hmen und ob er da gen�gend Zeit hatte, wer wei�. War Kafka in Prag, verschanzte er sich in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt hinter Aktenbergen. Abends hielt ihn seine Mischpoke fest und wenn er sich endlich aus deren F�ngen befreit hatte, war er zu ersch�pft, um noch an so etwas zu denken oder aber er schrieb die ganze Nacht. Vermutlich war es f�r Kafka wie f�r viele andere Angestellte seiner wie einer noch sehr langen, folgenden Epoche gar nicht leicht, den richtigen Augenblick zu finden. Vielleicht an Samstagen. James Joyce hatte es da leichter. Als hauptberuflicher Schriftsteller war er frei und konnte es tun, wann immer er wollte. Abgesehen von Triest vielleicht, wo er vor dem Ersten Weltkrieg als Englischlehrer k�rglich verdiente und schon deshalb nicht schnell ums Eck zu Umberto Saba gehen konnte, weil der sein d�ster-staubiges Etablissement ja auch erst viel sp�ter er�ffnete.

Wir ultramodernen Angestellten der Dienstleistungsgesellschaft von heute, die wir viel frei, aber dennoch immer weniger Zeit haben, k�nnen es hingegen tun, wann immer wir wollen. Von home service ist hier schon die Rede, von Huren und Bordellen nat�rlich nicht. Sondern von B�chern, auf die wir dank Internet mit minimalem Zeitaufwand dauernd zugreifen k�nnen, und deren �hnlichkeit mit Huren dank Walter Benjamins Hinweis gl�cklicherweise auch sehr zitierbar ist. Nicht um blutjunge B�cher geht es, sondern um alte, staubige, f�r den Liebhaber aber sehr frisch gebliebene Scharteken. Zwar w�re man selbst irgendwann auch auf Benjamins verruchte Analogie gekommen. Vermutlich aber mehr aus Gedankenspielerei, weil uns die schwarze Romantik des Zwanziger-Jahre-Dandys und seines der Hure huldigenden K�ltekultes nicht mehr sonderlich verrucht vorkommt. Dass man Dirnen und B�cher zum Beispiel mit ins Bett nehmen kann und beide sowohl den Tag wie die Nacht beherrschen - gut und sch�n. Das �berschreiten von Tabu- und Zeitgrenzen ist f�r den im Dauerzustand sozialer Promiskuit�t lebenden Konsumb�rger aber, wie er in weiser Selbsterkenntnis immer gerne sagt, sowieso "kein Thema". Schlie�lich �berschreiten wir alle dauernd irgendwelche Barrieren und sind uns dabei weder r�umlicher, gedanklicher noch moralischer Bewegungen bewusst Dank der digitalen Kommunikationstechnologie sind wir bequemer und eben auch viel schamloser geworden. Aufschub und Triebverzicht sind ja schon l�ngst keine hehren zivilisatorischen Akte mehr.

In punkto Abfuhr verschafft das Surfen im Internet viel Komfort - auch beim Buch. Schamlos kann einer der m�chtigsten Triebe befriedigt werden, von dem eine kleine, aber radikale Minderheit regelm��ig �berm�chtigt wird: den nach dem Besitz antiquarischer B�cher lechzenden Trieb auch zu jeder Nachtzeit stillen zu k�nnen, kann leicht zur Sucht f�hren. Beratung ist dennoch �berfl�ssig. Erleichterung schafft die Internet-Adresse zvab.com, das Zentralverzeichnis Antiquarischer B�cher, die Website, auf die Bibliophile, Sammler und J�ger bedruckter Papiersch�tze immer gern zur�ckkehren.

Auf graphischen Schnickschnack sowie Werbung und haufenweise Links verzichtet die Homepage, weswegen auch Besitzer lahmer Computer schnell zum Ziel kommen - g�nstig, wenn man zuhause durch die unsichtbaren Regale gleitet. Im B�ro, wo schnelle Prozessoren und eine Standleitung ihrer Benutzung harren, ist das anders. Da geht alles blitzschnell: den Favoriten aufrufen, schon ist die Homepage da, Titel und/oder Autor eintragen, und binnen Sekunden wird nach den eingegebenen Stichworten geforscht und das gew�nschte Buch auf den virtuellen Ladentisch gelegt. Jetzt wird der Titel mit einem Klick in den Warenkorb bef�rdert und per e-mail bestellt. Wenige Tage sp�ter liegt der w�hrend der kurzen Wartezeit immer hei�er ersehnte Lesestoff im Briefkasten. Wer leer ausgeht, braucht nur den digitalen Hammer zu z�cken und eine Suchanzeige ans "Schwarze Brett" zu nageln. So leicht kann der B�cherwurm auch noch mit Gleichgesinnten in Kontakt kommen. Wer es partout nicht aushalten kann, ruft direkt beim Antiquar an und bittet ihn, das begehrte Objekt gegen Aufpreis noch am selben Tag auf den Postweg zu bringen. Auch solche Liebesdienste werden gew�hrt. Die Antiquare - mittlerweile 488 an der Zahl nicht nur in den deutschsprachigen L�ndern, sondern auch in den Niederlanden und Gro�britannien - wissen, was sie an der gr��ten Antiquariatsdatenbank hierzulande und gr��ten Internetplattform f�r antiquarische B�cher weltweit haben. Sechs Millionen Mark hat das Online-Antiquariat im ersten Quartal 2000 umgesetzt, 50 Prozent mehr als im Quartal zuvor, eine Umsatzsteigerung, die f�r viele Antiquare inzwischen existenzsichernd geworden.

Dass das traditionelle Medium des gedruckten Buches und etwas derart R�ckw�rtsgewandtes wie ein Antiquariat durch die Technologie der Glasfaser am Leben erhalten werden und sich alte und neue Medien auch noch stimulieren, ist nicht nur eine beruhigende, sondern fast schon eine romantische Vorstellung. Die Dezentralit�t des Internets macht sich unmittelbar positiv bemerkbar: pl�tzlich ist ein Antiquar in einem Ort namens zum Beispiel Friedensweiler genauso erreichbar wie dessen Kollegen in M�nchen, Frankfurt oder Berlin. Vom online-Handel profitieren alle. Die Kunde zahlen f�r die online-Benutzung gar nichts, die H�ndler wenig: f�r 1,4 MB Daten - 3000 bis 5000 Titel - muss der Antiquar monatlich noch nicht einmal 60 Mark investieren.

Den notorischen zvab-Benutzer kann dieses immer gr��ere Vergn�gen allerdings einiges kosten. Nicht etwa weil der teuerste Titel mit 275000 Mark zu Buche schl�gt, sondern vor allem, weil die vielen 10- und 20-Mark-Angebote den Geldbeutel im Nu erleichtern. Klickerdi-klickerdi-klick, schon wieder f�nf Titel im Warenkorb. Wer einmal am s��en Gift genippt hat, kann nicht mehr ohne. Ein paar Verschnaufspausen w�hrend der B�rostunden sind immer gut f�r einen Bummel durch das virtuelle Riesenantiquariat, wo zwei Millionen Titel auf sammelw�tige B�chernarren warten.

Das Angebot ist aber noch viel gr��er. Speziell f�r Studenten gibt es justbooks.de und unter den englischsprachigen Suchmaschinen finden sich abebooks.com und bibliofind.com. Da warten allerdings nicht nur sch�ne Dinge auf neue Besitzer, da lauert vor allem der finanzielle Ruin. Nicht f�r die Antiquariate, sondern f�r den Kunden. Wenn der lange genug virtuellen B�cherstaub geschluckt und in virtuellen Seiten gebl�ttert hat, dr�ngt es ihn bald auch zu den Realien. In der turbodigitalliberalen Konsumgesellschaft bekommt Lust - egal ob auf Huren oder B�cher - eben immer eine doppelte Chance auf Ewigkeit.

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Literaten-WGs im Internet und ihre Besucher

Kommt eine literarische Website als Buch heraus, werden die ins Internet gestellten Texte r�ckwirkend zu Vorabdrucken herabgestuft. Vielleicht will der Dumont-Verlag dieser Kalamit�t entkommen, indem er die Buchausgabe seines 1999er Internettagebuchs �NULL� selbst als Vorprodukt ausliefert, n�mlich in Form von unbeschnittenen und ungebundenen Druckb�gen. Die Internetliteratur scheint sich vorl�ufig noch nicht jenen Anspruch auf Dauer zuzutrauen, den jedes gedruckte Buch wie selbstverst�ndlich f�r sich zu reklamieren weiss.

Die kurze Geschichte der deutschen Internetliteratur hat bereits mehrere Konzepte hervorgebracht. In einer fr�hen Euphorie glaubte man noch, aus dem Geist der Moderne und den technischen M�glichkeiten des Mediums eine v�llig neue Form generieren zu m�ssen und damit die �Softmoderne� (http://www.softmoderne.de) in Deutschland einzul�uten. Die Hypertextkaskaden, Java-Applets, Flash-Animationen und Sounddateien dieser Pionierwebsite im deutschsprachigen Raum machten aus literarischen Texten interaktive Videoinstallationen - ein Weg, der sich als Sackgasse erwies. Sp�ter nisteten sich die �ffentlichen Romanschriftstellerateliers von Rainald Goetz und Matthias Politycki im Internet ein. Der gegenw�rtige Stand der Internetliteratur in Deutschland ist nach Abschluss von �NULL� (http://www.dumontverlag.de/null/), das als regelm�ssig erg�nzte Anthologie aufs Jahr 2000 hin konzipiert war, nun vor allem in den Pool-Seiten dokumentiert. Unter der Adresse www.ampool.de finden sich t�glich neue Beitr�ge ausgew�hlter professioneller Schriftsteller, wobei die meisten Texte allerdings den Eindruck erwecken, als seien sie in der Freizeit des Autors entstanden.

Schon �NULL� konnte die Selbstverpflichtung, ausschliesslich Literatur zu enthalten, also Texte, die f�r sich selbst sprechen, nur m�hevoll durchhalten, trotz Disziplinierung durch Redaktion und Lektorat. Pool hat von vorneherein darauf verzichtet, Literatur als Kunstform zu pflegen, sondern widmet sich lieber der Rede �ber Literatur und um sie herum, und da die Verantwortlichen und viele Beitr�ger in Berlin siedeln, glaubte man gleich, die Pool-Site als zeitgem�sse Wiederbelebung des Berliner literarischen Salons promoten zu d�rfen. Allerdings haben neben dem Medium auch Tonfall und Umgangsformen wenig mit der gepflegten, heiteren und unverbindlichen Causerie des b�rgerlichen Salons gemein. Eher wecken sie die Vorstellung von einer Wohngemeinschaft junger Schriftsteller und Studenten.

Salonliteraten

Die Texte kommen mal rau, mal salopp daher, man gibt sich vor allem spontan und �echt� (auch �NULL�-Autoren wie Helmut Krausser und Thomas Meinecke, die sich gegenseitig gerne �Dirty Helmet� und �Fat Boy Tom� rufen, legen gleich farbigen Hip-Hop-Stars grossen Wert auf street credibility). An Provokation und Zank finden solche Leute dann auch mehr Freude als am Ausgleich; statt den Konversationspartner durch elegante Finten ins Leere laufen zu lassen, wird er lieber ohne Umst�nde und wenn n�tig rabiat gez�chtigt. Das Wissen des Salonliteraten, wann der richtige Zeitpunkt f�r den R�ckzug aus eigenen Positionen oder f�r einen Themenwechsel gekommen ist, fehlt seinen modernen Adepten in aller Regel. Im Fr�hsommer 1999 rissen Helmut Krausser, Thomas Meinecke und Jan Helfer die �NULL�-Seiten weitgehend an sich, indem sie eine Debatte �ber den Kosovokrieg begannen, die - trotz dem Gewicht des Gegenstands - im R�ckblick vor allem deshalb missgl�ckt wirkt, weil zu lange am Thema festgehalten wurde. Zumal auch in der literarischen Internet-WG am Ende niemand den M�ll runtertragen will.

Hiermit w�re dann auch das Stichwort zum Thema Web-Poesie gefallen, das sich auch den Urhebern selbst regelm�ssig aufdr�ngt. Rainald Goetz betitelte sein Internetprojekt bereits vorsorglich �Abfall f�r alle�; und in �NULL� mahnte Urs Richle: �Liebe Leute, wir ver�ffentlichen zwar in einer M�llhalde, unsere Produkte aber sind Literatur.� Allerdings wirken die k�nstlerisch ausgereiftesten Arbeiten im Medium Internet eher deplaciert, so die f�r den Bachmann- Wettbewerb angefertigten Arbeiten in �NULL�.

Dem Medium angemessener erscheinen Texte, die auf Kosten der handwerklichen Sorgfalt und literarischen Form die Spuren der Lebensgeschichte, der aktuellen Befindlichkeit und der sozialen Existenz ihrer Urheber tragen: Besonders beliebt sind daher auch Berichte von merkw�rdigen Begebenheiten, Begegnungen und Reisen, Nachrichten aus fernen L�ndern (literarische Internetkommunen besitzen in der Regel ein Korrespondentennetz), Kommentare zu den Zeitl�ufen, Beitr�ge vom Genre �was ich schon immer mal sagen wollte�, Beichten und Bekenntnisse, Reden und Widerreden; selbst eine private Kleinanzeige Ulrich Holbeins, der gerade auf der Suche nach Ekstasen f�r sein n�chstes Buch war, ging bei der �NULL�-Redaktion durch. Pool treibt es noch bunter mit guten Vors�tzen (�Mariacron nur noch in Notf�llen�), deutlicher Aussprache (�Geht's euch noch gut!?�), t�glichem Leid (�die Kinder gehen nicht gerne in den Kindergarten�) und was es dergleichen Einf�lle sonst noch gibt.

Wiederkehr der Ticks

Mitteilsamkeit geh�rt zu den vornehmsten Qualit�ten des Webliteraten, denn er selbst ist der eigentliche Held seiner Texte. Die plappern meist unabl�ssig �ich�, ohne dabei ein Erz�hler-Ich anzubieten, mit dem sich ein Leser tr�umend identifizieren k�nnte; vielmehr stellen sie ein Autor- Ich (wenn auch oft ein erschwindeltes) ins Netz, das ein hier und jetzt pr�sentes Leser-Du direkt anzusprechen scheint. Damit der Leser seinen Helden, den Autor, wiedererkennt, muss seine physische Abwesenheit durch einen unverwechselbaren Tonfall, eine stilistische Mimesis, kompensiert werden. Erst die Wiederkehr der Autoren und ihrer obsessiven Themen verleiht den Textsammlungen Koh�renz und Dauer und damit vielleicht tats�chlich den Status von Literatur.

Deshalb zieht es meist eigenwillige, leicht zu identifizierende Schriftsteller ins Netz, Kultautoren vom Schlage Rainald Goetz' vor allem. Allerdings sp�lt der eigent�mliche Ton auch die Marotten und Ticks der Dichter auf die Webseite. �berrascht bemerkt der Leser pl�tzlich das zuweilen Pedantische und Kleinb�rgerliche hinter der Fassade der Aufs�ssigkeit und Originalit�t, die Literaten so gerne nach aussen kehren.

Das alles wird einen Leser nicht st�ren, dem es bei der Lekt�re in erster Linie auf die Erlebnisqualit�t ankommt. Ihm wird es auch nichts ausmachen, dass literarische Websites kaum echte Literatur enthalten, wenn sie nur das Drama der Literatur glaubw�rdig aufzuf�hren wissen. Wie bei den Getreuen von daily soaps sammelt sich bei den regelm�ssigen Besuchern von literarischen Websites ein Expertenwissen �ber die Objekte ihrer Faszination, die Autoren. Die treffen daher im Internet weniger auf den klassischen Leser und Kenner von Literatur als vielmehr auf einen Szeneg�nger, der am utopischen Gl�ck ihrer von Arbeit und allt�glicher Routine vermeintlich freien Schriftstellerexistenz teilhaben m�chte. Die Autoren machen dabei gerne mit und flechten undeutliche Bez�ge auf das Spiel des Literaturbetriebs in ihre Texte ein: Helmut Krausser gr�sst schelmisch seinen gegenw�rtigen Lektor bei Dumont, weil der jetzt offensichtlich auf den �NULL�-Seiten akzeptieren muss, was er einst bei einem anderen Verlag (Suhrkamp) nicht haben wollte, und Pool-Mitglied Georg M. Oswald freut sich, dass der einflussreiche Feuilletonredaktor Gustav Seibt Pool-Leser ist, �von Beginn an�, und auch noch �lauter entspannte, l�ssige Sachen �ber Pool� zu sagen wisse.

Im Kommunikationsmedium Internet verschr�nken sich die im Druckmedium klar getrennten Funktionen von Leser und Autor: Der professionelle Teilnehmer an einem literarischen Internetprojekt ist immer auch der Leser seiner Kollegen, auf deren Beitr�ge viele seiner eigenen antworten. Derjenige, dem die Rolle des Lesers zugedacht war, begn�gt sich seinerseits nur noch ungern mit dem blossen Konsum von Texten, sondern wird User eines Mediums, in dem er wahrscheinlich schon l�nger zu Hause war als der oft erst vor kurzem zum Web-Poeten bestallte Berufsschriftsteller. Schon Goetz und Politycki machten sich das zunutze, als sie dem Publikum Einblicke in ihre Werkstatt erlaubten und - mit einem Augenzwinkern - sogar die Mitarbeit anboten. �NULL� wollte sich auf so etwas lieber nicht einlassen, Pool aber nahm den Trend auf und richtete unter dem Namen Loop eine Parallelwelt f�r literarische Dilettanten ein. Dort sammelte sich rasch ein buntes V�lkchen, um den etablierten Vorbildern nachzueifern oder sie gar zu �berbieten. Loop lebt vor allem von solchen emphatischen Best�tigungen einer gemeinsamen literarischen Erfahrung. Wer aber seine poetischen Versuche in einem weniger aufgeregten Umfeld unterbringen m�chte, dem sei die Adresse www.literaturcafe.de empfohlen.

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(Letzte �nderung erfolgte am 20. Juni 2000)