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Aktuelle Presseartikel zu Buchhandel + Literatur
- Dezember 1999 -

(Eine Auswahl des INTERNETANTIQUARIAT.com)


Deutsche Buchbranche geht mit Sorgen ins Jahr 2000

Web-Studie: Jeder siebte Deutsche kauft online

Zum Tod des US-Autors Joseph Heller

Internet-H�ndler stellt Verkauf von "Mein Kampf" in Deutschland ein

Wenn Klassiker versauern

Jeder zweite liest kein Buch

Keller historisch-kritisch


Keller historisch-kritisch

Das K�rzel HKKA steht f�r eines der gr�ssten Schweizer Editionsprojekte: die Historisch-Kritische Gottfried-Keller-Ausgabe in 32 B�nden und mit voraussichtlichem Abschluss im Jahr 2011. Es ist - dank CD-ROM - zugleich ein germanistisches Pionierprojekt. Gestern wurde in Z�rich die dritte Lieferung nach dem Einf�hrungsband und dem Band �Das Sinngedicht/Sieben Legenden� pr�sentiert: Kellers �Z�richer Novellen�. N�chstes Jahr folgen die �Leute von Seldwyla�. Die Ausgabe bezieht auch bisher unver�ffentlichte Studien- und Notizb�cher sowie alle Manuskriptstufen mit ein. Die beiliegende CD-ROM vereinfacht die Orientierung, indem sie etwa erm�glicht, verschiedene Textstufen parallel anzuzeigen.

Der Plan f�r die Keller-Ausgabe wurde 1990 gefasst. Eine Pilotphase finanzierte der Schweizerische Nationalfonds. In der Folge wurde eine Stiftung gegr�ndet. Obwohl die HKKA wissenschaftlichen Anspr�chen gen�gt, ist ihr Preis relativ bescheiden. Walter Morgenthaler u.a. (Hrsg.): Gottfried Keller, S�mtliche Werke, Einzelband Fr. 106.-, Subskriptionspreis Fr. 86.-

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Jeder zweite liest kein Buch

Richtige Leseratten sind - bei B�chern - nur sieben Prozent der �sterreicher. Fast jeder zweite �sterreicher ist ein B�cher-Muffel. Laut Mikrozensus-Erhebung des �sterreichischen Statistischen Zentralamts lesen 45 Prozent der �sterreicher ab sechs Jahren gew�hnlich keine B�cher. Die Zahl der Buch-Verweigerer hat seit Mitte der achtziger Jahre stark zugenommen - damals gaben erst 28 Prozent an, gar keine B�cher zu lesen. Etwa jeder vierte �sterreicher widmet sich ein bis drei Stunden pro Woche der Lekt�re von B�chern, elf Prozent wenden vier bis sieben Stunden auf. Nur sieben Prozent sind echte "Leseratten", die acht oder mehr Stunden w�chentlich mit einem Buch verbringen. Frauen (60 Prozent) nehmen sich im Durchschnitt h�ufiger Zeit f�rs B�cherlesen als M�nner (48 Prozent). Beim Lesestoff liegt Unterhaltungsliteratur an der Spitze vor Sachb�chern aus Geschichte und Politik, es folgen jene aus den Bereichen Naturwissenschaften, Technik und Reise vor Kunst und Kultur bzw. Kinder- oder Jugendliteratur.

Abgefragt wurde bei der Mikrozensus-Erhebung auch der Medien-Konsum. Zeitungen und Zeitschriften erfreuen sich demnach relativ gro�er Leserschaft. Zwei Drittel aller Befragten lasen zum Erhebungszeitpunkt (September 1998) regelm��ig Tageszeitungen, M�nner mit 69 Prozentetwas h�ufiger als Frauen (64 Prozent). Die Media-Analyse f�r das zweite Halbjahr 1998 weist allerdings noch h�here Zahlen auf: Laut ihr lesen 76,9 Prozent der �sterreicher eine Tageszeitung.

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Wenn Klassiker versauern

Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach versucht, seine einzigartigen
Best�nde vor dem S�urefra� zu retten
Von Christof Siemes

Auch gute B�cher k�nnen schlecht klingen. Dann muss man anfangen, sich um sie zu sorgen. Zum Beispiel um dieses hier: Kasimir Edschmids B�cherdekameron, erschienen 1922 in Berlin. Tonlos, dumpf und schlapp klingt jede einzelne Seite, wenn man mit dem Finger dagegenschnalzt. Ein Schm�ker in Bestform kl�nge anders, straff und hell wie ein Schlag auf eine kleine Trommel. Stark gebr�unt sind die Seiten auch schon, als habe ein unachtsamer Leser sie auf der Sonnenbank vergessen. Wie schlecht es dem Buch wirklich geht, zeigt aber erst die Dreifachknickprobe. Dabei hat man drei Versuche, einer Seite ein kleines Eselsohr zu verpassen. Doch schon beim ersten Knick bricht der Seitenzipfel einfach ab wie ein St�ck Kn�ckebrot.

"Das Buch ist rettungslos verloren", sagt Gunther Nickel und wischt ein paar Kr�mel Edschmid von seinem Schreibtisch. Der Germanist koordiniert im Deutschen Literaturarchiv in Marbach die Versuche, die einzigartigen Best�nde zu bewahren: 600 000 B�cher, mehr als 6000 Zeitschriften, die 22 Millionen Bl�tter der Handschriftenabteilung und ihrer gut 1000 Dichternachl�sse. Wie in allen Bibliotheken und Archiven nagt auch an den Sch�tzen der Schillerh�he der S�urefra�, der mehr oder weniger alles zwischen 1860 und 1970 zu Papier Gebrachte bedroht. In dieser Zeitspanne wurde fast ausschlie�lich s�urehaltiges Papier beschrieben und bedruckt, und das
l�st sich nun langsam auf. Ein Blatt im Endstadium, das eben noch Buchstaben, W�rter, S�tze, Liebschaften, Abenteuer festhielt, zerf�llt bei der leichtesten Ber�hrung einfach zu Staub und mit ihm die Information, die es trug. "80 Prozent unseres Bestands sind bedroht, wenn wir nicht innerhalb der n�chsten zehn Jahre etwas unternehmen", sagt Nickel.

Etwas unternehmen hei�t ents�uern, und das in gro�en Mengen.

F�nf Jahre lang haben sich die Marbacher informiert, Fachtagungen veranstaltet, Firmen im In- und Ausland besichtigt, um herauszufinden, wie das am besten geht. Gunther Nickel hat gl�cklicherweise mal ein Semester Chemie studiert, da fiel ihm die Mutation vom Germanisten und Zuckmayer-Experten zum Teilzeitfachmann f�r pH-Werte, Zelluloseketten und L�sungsmittel leichter. Vor wenigen Wochen schloss das Deutsche Literaturarchiv zusammen mit anderen Bibliotheken einen Rahmenvertrag mit dem Zentrum f�r Bucherhaltung (ZfB) in Leipzig. Dessen Massenents�uerungsverfahren mithilfe einer nichtw�ssrigen Alkoholl�sung �berzeugte die kritischen Archivare, die ihre zum Teil einmaligen Werke nicht so ohne weiteres einen Tag lang auf 50 Grad erw�rmt, entw�ssert und in eine geheimnisvolle Chemikalie getunkt wissen wollten. Aber auch die penibelsten B�cherw�rmer fanden an den Testobjekten keine Wellungen, keine Verklebungen, sondern nur einen ganz leichten
Alkoholgeruch, wenn sie die Nase im Wortsinne ganz tief ins Buch hineinsteckten. Und so kommen nun regelm��ig Mitarbeiter aus Leipzig, r�umen in Marbach B�cher direkt aus den Regalen in spezielle Transportkisten, verfrachten sie nach Sachsen, schieben sie in die Ents�uerungsr�hre, l�ften sie aus, und nach vier bis sechs Wochen stehen die B�cher wieder am angestammten Platz, �u�erlich unver�ndert, innerlich pr�pariert f�r die n�chsten paar hundert Jahre.

Dem Edschmidschen Dekameron w�re aber auch auf der Leipziger Intensivstation nicht mehr zu helfen. Ents�uerung hei�t Bewahrung des Status quo; an industriellen Verfahren zur Papierfestigung und -verbesserung wird zwar geforscht, aber marktreif sind sie noch nicht. Zum Gl�ck steht es l�ngst nicht um alles so schlecht wie um den Edschmid. Der hat einfach �berdurchschnittlich viel durchgemacht: Er stammt aus der Bibliothek von Kurt Pinthus, dem Herausgeber der ber�hmten expressionistischen Lyrikanthologie Menschheitsd�mmerung. Pinthus war 1937 nach Amerika emigriert, kehrte fast 30 Jahre sp�ter nach Deutschland zur�ck und verbrachte seinen Lebensabend in Marbach. Seine B�cher begleiteten ihn auf all diesen Wegen, und Seereisen, Temperaturschwankungen, Klimawechsel tun einem Buch so gut wie unsereinem 20 durchzechte Jahre. Aber selbst die ordnungsgem��e Lagerung bei 18 Grad und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit in den schier endlosen Marbacher Kellern entrei�en die sauren Werke nicht ihrem Schicksal, sie z�gern es nur hinaus. Das demonstriert Gunther Nickel an den Exemplaren der New Yorker Emigrantenzeitung Der Aufbau: W�hrend die Seiten aus dem Jahr 1952 bislang nur einen zentimeterbreiten blassbraunen Rand aufweisen, empfiehlt sich f�r die Lekt�re der Ausgaben von 1945 schon jetzt, Handfeger und Kehrblech mitzubringen. F�r manche kostbare Zeitung kam die Rettung buchst�blic in letzter Minute

Bei immer mehr Marbacher St�cken stecken ihre H�ter in einem Dilemma: Zum einen soll jedermann sie lesen und benutzen k�nnen. Zum anderen w�re es f�r ihr dauerhaftes �berleben am besten, sie w�rden - ents�uert oder nicht - gar nicht mehr anger�hrt. Der Kompromiss hei�t Mikrofiche. Immer mehr wertvolle, fragile Zeit- und Handschriften werden mikroverfilmt. 25 Dichternachl�sse, darunter die von M�rike, Benn, Celan, sind auf diese Weise schon gesch�tzt und doch so �ffentlich wie nie zuvor, desgleichen mehr als 50 seltene Zeitungen und Zeitschriften. Mitunter war es Rettung in letzter Minute - manche Seite zerfiel unmittelbar nach der Aufnahme.

Neben Zeitungen, die immer auf billigem Papier gedruckt wurden und werden, sind alle Drucksachen aus Krisenzeiten besonders gef�hrdet. W�hrend der Weltkriege und unmittelbar danach sank die Papierqualit�t rapide, sodass ein Buch von 1910 mitunter deutlich besser in Schuss ist als eins von 1950. Deshalb galt die erste gro�e Marbacher Rettungsaktion auch nicht einem der Spitzenst�cke der Sammlung, dem Manuskript von D�blins Berlin Alexanderplatz etwa (auch wenn der Autor immer wieder s�urehaltige Zeitungsschnipsel in seinen Text collagierte) oder den Handschriften Kafkas. Nein, zuerst ents�uert wurde ein Kleinod auf billigem Papier: eine weltweit einzigartige Sammlung von Trivial- und Kolportageliteratur, vulgo Heftchenromane. Bestseller wie Galgenv�gel oder blutige Thaten menschlicher Ungeheuer und Birkenm�llers Lieschen oder lebendig in's Grab. Diese Jerry Cottons und Perry Rhodans des 19. Jahrhunderts stehen nun, umweht von einer schwachen Alkoholfahne, f�r die Erbauung der n�chsten 20 Generationen zur Verf�gung.

Die n�chste Fuhre f�r Leipzig ist auch schon ausgeguckt: die wertvollsten St�cke aus der einzigartigen Plakatsammlung des Archivs. Wie die Trivialromane sind sie Dokumente der Alltags- und Gebrauchskultur, die meist spurlos verschw�nden, wenn sie nicht hier konserviert w�rden. Ein
Aufruf zur Nationalversammlung 1919 nach einem Entwurf von Max Pechstein, die Einladung zum "Revolutionsball der Aktion" 1913, Karten f�r 10 Mark, Theaterplakate von Brechts Berliner Ensemble - hier wird literarisches, gesellschaftliches Leben anschaulich. Und gerade darauf legt man in Marbach, dessen Ausstellungen zu Recht ger�hmt werden, gro�en Wert. 769 Plakate, zumeist Unikate, sollen nun in Leipzig nicht nur ents�uert, sondern auch von Notoperationsnarben aus Tesafilm befreit, fachgerecht repariert und mikroverfilmt werden. 170 Mark pro St�ck kostet diese Rundumbehandlung - macht gut 130 000 Mark.

Normalerweise aber rechnen Schwaben und Sachsen nach Gewicht miteinander ab. F�r ein Kilo stellt das ZfB 32 Mark in Rechnung. Gut zwei Tonnen Marbach wurden bisher ents�uert, die dritte ist in Arbeit. Das restliche Problem wiegt schwer, so um die 500 Tonnen. Insgesamt, sch�tzt Gunther Nickel, wird die Ents�uerung der Marbacher Best�nde 15 Millionen Mark kosten. Da sind die 170 000 Mark, im Haushalt 1999 f�rs Ents�uern bereitgestellt, nur so viel wie ein paar Abschnitte im Heftchen von den blutigen Thaten (ebenso die 97 000 Mark f�r Mikroverfilmungen). Und im n�chsten Jahr werden es noch einmal weniger sein - die K�rzungsvorgaben des Bundesfinanzministers gelten auch auf der Schillerh�he.

Zwar gibt es l�ngst ausgefeilte Pl�ne, wie und in welcher Reihenfolge binnen zehn Jahren das Problem S�urefra� gel�st werden kann. Auch in Leipzig w�re man bereit, gro�e Mengen zu ents�uern - innerhalb von sechs Monaten k�nnte notfalls eine zus�tzliche Anlage in Betrieb genommen werden. Aber bei der Kassenlage ist der gesamte Zeitplan nur ein frommer Wunsch.

Wie schont man die Tinte einer drei Millionen Mark teuren Handschrift?

Und dann ist da noch ein Problem: Das Herzst�ck des Bestands, die Nachl�sse von mehr als 1000 Dichtern, Gelehrten, Philosophen, eignen sich nicht f�r eine Massenents�uerung. Zu unterschiedlich ist das, was in den mehr als 15 000 gr�n-schwarz gesprenkelten, garantiert s�urefreien Papparchivk�sten lagert. Gunther Nickel erl�utert das anhand einer kleinen Kneipentour mit Gottfried Benn.

Flieder in langen Vasen, / Ampeln, ged�mpftes Licht / und die Amis rasen, / wenn die S�ngerin spricht: // Because of you (ich denke) / romance had its start (ich dein) / because of you (ich lenke / zu dir und du bist mein)" - die ersten beiden Strophen des Gedichts Bar von 1953. In einem unscheinbaren (nat�rlich ebenfalls s�urefreien) Pappordner liegt die Entstehungsgeschichte der Verse verwahrt: ein Zettel von des Doktors Rezeptblock, auf dem er bei seinem Barbesuch die Verse des Songs Because of you mit Kugelschreiber notierte; ein kleiner Zettel, gelocht, mit Bleistiftnotizen; mehrere Bl�tter mit handschriftlichen Entw�rfen; schlie�lich einige Typoskripte. Der kleine Zettel ist schon angebr�unt, auch das Rezept ist nicht mehr ganz frisch. Die �brigen Bl�tter aber sehen tadellos aus, weil der Doktor wie so viele Dichter im Bewusstsein der eigenen Bedeutung die wichtigen Sachen auf prima Papier schrieb.

Aber was nun? Den kleinen Zettel ents�uern, die anderen nicht? Das hie�e aber im Blick auf alle Nachl�sse: 22 Millionen Bl�tter anschauen, 22 Millionen Mal die Dreifachknickprobe machen und eine Entscheidung treffen, 22 Millionen Mal aus- und einsortieren. Wie sollen das rund 150 Mitarbeiter schaffen, die ja auch den regul�ren Betrieb aufrechterhalten m�ssen? Also doch alles ab nach Leipzig?

Das ginge hier wohl, denn Bleistift und Kugelschreibertinte �berstehen das Verfahren problemlos. Allerdings gibt es Tinten, die nicht so widerstandsf�hig sind. Nicht auszudenken, man sch�be etwa das Manuskript von Kafkas Roman Der Proce� in die R�hre, und heraus k�me ein eins a ents�uertes B�ndel Papier, leider ohne die ber�hmten Worte: "Jemand musste Josef K. verl�umdet haben ..." Denn hier ist ja nicht einfach von beschriebenem Papier, sondern von Wertgegenst�nden die Rede. Eine Benn-Handschrift bringt auf dem Autografenmarkt sicher ein paar tausend Mark, und f�r den Proce� musste das Deutsche Literaturarchiv schon 1988 drei Millionen Mark zahlen. Da sollte man wissen, was man tut. Und so wird mit der Ents�uerung der Nachl�sse so lange gewartet, bis eine L�sung f�r alle Materialien gefunden ist - die Tests laufen schon.

Aber es wird immer F�lle geben, die sich einer Generall�sung entziehen. Der von Ernst J�nger zum Beispiel. "H�bsch, aber konservatorisch eine Katastrophe", sagt Gunther Nickel knapp und zieht das Manuskript zum Drogenbuch Ann�herungen aus dem Regal. Mit vier, f�nf verschiedenfarbigen Tinten schrieb J�nger �ber den Rausch, und hin und wieder klebte er auch Pflanzenbl�tter mit Tesafilm zwischen die Zeilen - f�r jeden Konservator das Grauen, weil der Klebestreifen kaum 15 Jahre h�lt und sich dann unkontrollierbar zersetzt. Also schob man dem Dichter �ber dessen Frau, die einst in Marbach arbeitete, noch zu Lebzeiten einen konservatorisch unbedenklicheren Klebstoff unter. Und noch einer J�ngerschen Selbstpr�parierung f�r die Ewigkeit werden die Archivare demn�chst zu Leibe r�cken - zu seinem eigenen Besten. Der Offizier als Dichter sargte seine Manuskripte gleichsam ein in ma�geschneiderte Lederetuis. Was er nicht bedachte: Die Gerbs�ure der edlen H�lle setzt dem Inhalt gnadenlos zu; an manchen Stellen beginnt die Schrift schon zu verblassen. In der �berh�hung lauert schon der Untergang, auch das ist eine Lehre des Archivs. In Zukunft wird man Schachtel und Schrift wohl getrennt aufbewahren.

Bleibt nat�rlich die Frage: Wozu eigentlich der ganze Aufwand? Sollen doch die Handschriften und B�cher zerbr�seln, was wirklich wichtig ist und bleibt, liegt doch mittlerweile auf s�urefreiem Papier gedruckt vor. Aber das ist eine mindestens so gro�e Illusion wie die, m�glichst alles konservieren zu wollen. In den Marbacher K�sten liegen zahllose ungehobene Sch�tze, Werke bislang verkannter, vergessener Autorinnen und Autoren, die uns heute, vielleicht aber erst in 100 Jahren die Augen �ffnen w�rden - wenn sie dann noch existieren. Erkenntnisse schlummern hier, die vielleichticht eins zu eins zum Druck, aber von Kennern aufbereitet in unsere K�pfe gelangen sollten. Alles, was "auf den Charakter des Schreibenden und seine jedesmaligen Zust�nde entschieden hinweise", geh�rt aufgehoben, urteilte Goethe 1809. Dazu kann ein kleiner Zettel genauso geh�ren wie ein dickes Manuskript. Oder so etwas scheinbar Unscheinbares wie das Archiv des Luchterhand Verlages, auch das in Marbacher Besitz. Aus dessen Briefwechseln und Buchhaltungsunterlagen lie�e sich eine detaillierte Geschichte der Wechselwirkung von 68er-Studentenrevolte und Literatur gewinnen - eben der damaligen Zust�nde unserer Republik.

Am Ende, findet Gunther Nickel, ist alles eine Frage nach dem "Ma� an kultureller Distinktion, das wir uns leisten wollen". Wollen wir wissen, wie Weltliteratur entsteht, warum dieses Werk Karriere machte und jenes vergessen wurde, weshalb dieser Dichter verfolgt und der andere geh�tschelt wurde? Und wollen wir dieses Wissen f�r unsere Gegenwart und Zukunft fruchtbar machen? Wenn nicht, wenn uns das eh alles Wurscht ist, k�nnen wir Millionen B�cher und Bl�tter getrost sich selbst �berlassen, sie gehen dann den Weg des B�cherdekameron aus Pinthus' Bibliothek:
Sie l�sen sich demn�chst einfach auf.

Aber wenn uns unser Woher und Wohin l�ngerfristig interessieren sollte, m�ssen wir zun�chst wenigstens das erhalten, was die Information f�r uns speichert - auch wenn uns das sauer wird und teuer kommt.

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Internet-H�ndler stellt Verkauf von "Mein Kampf" in Deutschland ein

New York, 10. Dezember - Der Internet-Buchh�ndler Barnesandnoble.com hat den Verkauf des Buches "Mein Kampf" von Adolf Hitler nach Deutschland eingestellt. "Wir verstehen das sehr spezifische Problem, das 'Mein Kampf' im deutschen historischen Kontext und f�r die deutsche Regierung darstellt", erkl�rte das Unternehmen, an dem der deutsche Medienkonzern Bertelsmann 40 Prozent h�lt, am Freitag in New York. Das Buch ist in Deutschland verboten, kann aber bislang �ber den Internet-Buchhandel im Ausland bestellt werden. Dem Magazin "Focus" zufolge hatte Bundesjustizministerin Herta D�ubler-Gmehlin (SPD) den Bertelsmann-Konzern aufgefordert, sich bei dem US-Unternehmen f�r einen Verkaufsstopp einzusetzen. Bereits im Herbst hatte der Internet-Buchh�ndler Amazon den Verkauf nach Deutschland eingestellt.

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Zum Tod des US-Autors Joseph Heller

Hamburg - Der amerikanische Schriftsteller Joseph Heller ist tot. Er erlag gestern im Alter von 76 Jahren in East Hampton auf Long Island einem Herzinfarkt. Schon mit seinem schriftstellerischen Deb�t, dem 1961 erschienenen autobiografisch gepr�gten Antikriegs-Roman "Catch-22" (die deutsche Ausgabe hie� "Der IKS-Haken"), wurde Heller weltbekannt. Darin verarbeitete er die Erfahrungen, die er als Bomberpilot w�hrend des Zweiten Weltkriegs gesammelt hatte. Drastisch und mit bitterem Sarkasmus schilderte er das Schicksal des US-Piloten Yossarian, der den Krieg in seinen ganzen Absurdit�t und Grausamkeit kennen lernte. Allein in den USA wurden von "Catch-22" mehr als zehn Millionen Exemplare verkauft.

Heller stammte aus Brooklyn/New York, wo er 1923 als Kind j�discher Einwanderer aus Russland geboren wurde. Nach dem Krieg studierte er, bevor er als Journalist und sp�ter als freier Schriftsteller zu arbeiten begann. Auch sein zweiter Roman "Was geschah mit Slocum?", ein satirisches Sittenbild der amerikanischen Mittelklasse, wurde zu einem internationalen Erfolg. In "Gut wie Gold" (1979), dem dritten gro�en Roman, schildert Heller das Schicksal des j�dischen Literaturwissenschaftlers Gold, der mit allen Mitteln versucht, in Washington eine gro�e politische Karriere zu machen. Hier thematisierte er auch den latenten Antisemitismus der amerikanischen Gesellschaft. �ber sein eigenes Leben hat Joseph Heller 1984 in einer Art fiktiver Autobiografie ("Weiss Gott") und zuletzt ganz unverh�llt in "Einst und jetzt. Von Coney Island nach New York" (1999) Auskunft gegeben. In dem letzten gro�en Roman "Endzeit" (1994) tauchen noch einmal die alt gewordenen Anti-Helden aus "Catch-22" auf. Joseph Hellers B�cher wurden in zahlreiche Sprachen �bersetzt. Er gilt als einer der gro�en Satiriker der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Nach seinem eigenen Lebensmotto befragt, antwortete er mit einem Zitat aus "Gut wie Gold": "Nichts klappt wie geplant."

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Web-Studie: Jeder siebte Deutsche kauft online

Reisen sind der Verkaufsschlager im elektronischen Handel. Wie die Deutsche Bank 24 am Dienstag berichtete, konnte die Tourismusbranche mit fast 300 Millionen Mark etwa 37 Prozent des gesamten Umsatzes im Online-Shopping verbuchen. 94 Millionen Mark seien im Bereich Finanzdienstleistungen (vor allem Online-Brokerage) umgesetzt und 91 Millionen Mark f�r B�cher ausgegeben worden. Auch die Segmente Computer/Software und Unterhaltungselektronik finden sich mit 88 Millionen Mark unter den Umsatzspitzenreitern im ersten Halbjahr 1999.

F�r das Gesamtjahr prognostiziert die Deutsche Bank-Tochter einen Gesamtumsatz im E-Commerce von rund drei Milliarden Mark. In zwei Jahren soll das Internet-Gesch�ft auf ann�hernd 29 Milliarden Mark wachsen. Aktuell nutze bereits jeder siebte Deutsche die M�glichkeit, vom PC aus online einzukaufen. 92 Prozent der Online-Shopper nennen die unbegrenzten �ffnungszeiten auf dem virtuellen Marktplatz als wichtigsten Grund f�r ihr Kaufverhalten. Es folgen die Kriterien Zeitersparnis (88 Prozent), breitere Sortimentsauswahl (62 Prozent) und die M�glichkeit zum Spontankauf (53 Prozent).

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Deutsche Buchbranche geht mit Sorgen ins Jahr 2000. Online-Buchhandlungen nicht als ernsthafte Gefahr bewertet

Die deutschen Verleger und Buchh�ndler haben ein turbulentes Jahr hinter sich: Der Streit um die Buchpreisbindung hat vor allem die Kleineren der Branche in die Enge getrieben. Im Fr�hjahr sorgte zudem das geplante Verbot der Teilwertabschreibung f�r Aufregung: Ohne diese Abschreibungsm�glichkeit w�ren auf Buchl�den und Verleger Steuervorauszahlungen in einer H�he zugekommen, die f�r kleinere Unternehmen nicht zu verkraften gewesen w�ren. Dabei war das Jahr 1999 f�r die Branche auch so schon hart. Trotz zahlreicher Erfolgstitel war das Umsatzwachstum wie schon in den vergangenen Jahren bescheiden.

"Wir sind froh, wenn wir beim prozentualen Zuwachs auf eine Eins vor dem Komma kommen", sagt der Chef des in Frankfurt ans�ssigen Dachverbands der Branche, B�rsenvereinsvorsteher Roland Ulmer. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz auf dem deutschen Buchmarkt - Fachzeitschriften eingerechnet - bei 17,8 Milliarden Mark. Das war im Vergleich zum Vorjahr beinahe eine Stagnation. Der B�cherverkauf brachte den H�ndlern 1998 nur 1,2 Prozent mehr Geld in die Ladenkassen als 1997. Die Zahlen f�r 1999 liegen noch nicht vor, doch Ulmer ist nicht allzu optimistisch. "Unsere Erwartungen sind verhaltener, als wir noch im Sommer angenommen haben."

Immerhin waren der Literatur-Nobelpreis f�r G�nter Grass und Goethes 250. Geburtstag ein Segen f�r den Buchhandel. Aber auch Bestseller-Autoren wie Isabel Allende, Ken Follet, Noah Gordon, Marianne Fredriksson oder Donna Leon lie�en mit ihren neuen Romanen die Kassen klingeln. Au�ergew�hnlich erfolgreich waren auch Sachb�cher: So stand Sigrid Damm mit "Christiane und Goethe" monatelang auf Platz 1 der Bestsellerliste, bis Marcel Reich-Ranickis "Mein Leben" sie abl�ste. Weniger dauerhaft war der Erfolg f�r Oskar Lafontaines "Das Herz schl�gt links". W�hrend das Buch nach dessen Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober noch hei� begehrt war, flaute das Interesse bald danach ab.

Mit Argusaugen beobachten die Buchh�ndler und Verlage neuerdings die zahlreichen Internet-Buchhandlungen, die von einem rasanten Wachstum tr�umen und 1999 massiv in die Werbung investierten. "Da ist eine ungeheure Dynamik zu sp�ren, aber eine Bedrohung f�r den station�ren Handel sind die Online-H�ndler noch nicht", meint Ulmer. Am gesamten Buchmarkt hatten virtuelle Buchl�den wie Amazon, BOL, Buch.de oder Buecher.de im vergangenen Jahr nach Angaben des B�rsenvereins nicht einmal 0,4 Prozent Anteil - bislang ein winziges St�ck vom Kuchen. Bei der Teilwertabschreibung ist zwar das letzte Wort noch nicht gesprochen, doch sieht es so aus, als k�me die Buchbranche mit einem blauen Auge davon. "Dieser Albtraum scheint abgeklungen", sagt Ulmer. Doch das gr��te Problem derzeit, die ungel�ste Frage, wie die Buchpreisbindung in Zukunft gehandhabt werden soll, schleppt die Branche wie einen Klotz am Bein mit ins Jahr 2000. Im Juli hatte EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert die Entscheidung der Kommission �berraschend abgesagt, weil ihm eine Stimme zur Mehrheit gegen die Preisbindung fehlte. Doch das Aufatmen des B�rsenvereins w�hrte nur kurz: Die Verhandlungen mit Van Mierts Amtsnachfolger Mario Monti verlaufen nicht weniger z�h. Reglung f�r Reimporte Dabei standen laut Ulmer bei den letzten Gespr�chenmit Br�ssel die Kompromissvorschl�ge des B�rsenvereins, etwa die Herausnahme bestimmter Buchgruppen aus der Preisbindung oder die zeitliche Befristung der Fixpreise, gar nicht mehr im Mittelpunkt des Interesses. "Wir ringen zurzeit vor allem um die Frage der Reimporte", sagt der B�rsenvereinschef. Es m�sse eine Regelung gefunden werden, die verhindere, dass - bei einem Wegfall der grenz�berschreitenden Preisbindung - H�ndler B�cher aus Deutschland in �sterreich g�nstiger einkaufen und dann hier zum h�heren Preis wieder ins Ladenregal stellen. Die �berlegungen gehen in die Richtung, dass deutsche Unternehmen Tochterfirmen in �sterreich gr�nden und �ber diese ihre B�cher als �sterreichische Produkte an den Leser bringen. Damit fielen die B�cher unter die nationale �sterreichische Preisbindung die Festpreise im Nachbarland w�ren durch diese rechtliche Hintert�r gesichert. "Ein gangbarer Weg", findet Ulmer. Die L�sung riecht zwar ein wenig nach einem faulen Kompromiss, wie er selbst zugibt, doch im Ergebnis w�re der Branche geholfen. Ohne die bislang g�ltige Preisbindung zwischen beiden L�ndern drohe sonst ein f�r kleinere Verlage und Buchl�den ruin�ser Preiskampf. Doch Ulmer gibt sich zuversichtlich: "Ich schlie�e jede Wette ab, dass wir auch in f�nf Jahren noch eine Preisbindung haben."

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(Letzte �nderung erfolgte am 21. Dezember 1999)